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Intendanz am Kölner Schauspiel : Der Griff nach unten

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Griff Köln mit Carl Philip von Maldeghem, dem Intendanten des Salzburger Landestheaters, „nach unten“, wie Navid Kermani sagt? Bild: dpa

Der Kölner Landeskenner Kermani hat einen Theatermann öffentlich derart degradiert, dass der nach einer Woche das Handtuch warf. Aber wer weiß so genau, wie sich jemand aus der Provinz an der Spitze einer „A-Bühne“ entwickelt?

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          Scham, Demütigung, Minderwertigkeit: Das sind die archaisch wirkenden Gefühlsregungen, von denen der Kölner Schriftsteller und – auch schon als Bundespräsident gehandelte – Intellektuelle Navid Kermani erfasst wurde, als er von der Berufung eines (ihm) unbekannten neuen Intendanten für das Kölner Schauspiel erfuhr. Der neunundvierzigjährige Carl Philip von Maldeghem habe weder eine aufregende Biographie noch experimentelle Inszenierungen vorzuweisen, stellte Kermani im Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ fest, er sei ein biederer, bequemer Kandidat, der keinerlei „Krach und Krawall“ in die Stadt bringen werde. Köln blamiere sich mit der Berufung, „greife nach unten“ und mache sich „klein“.

          Unverblümt diffamierende Worte über einen im Betrieb bisher nicht sonderlich bekannten Theatermacher, der aber als Direktor des Salzburger Landestheaters durchaus Erfolge vorzuweisen hat. Jedenfalls, wenn man „Erfolg“ bescheiden definiert und auf Kriterien wie Auslastung und städtisches Ansehen bezieht. Aber Navid Kermani, der mit vielen „Theaterleuten in Deutschland eng befreundet“ ist, hat sich von diesen sagen lassen, dass die Wahl schlimm sei. Er selbst kennt die spannenden Zukunftsträger des deutschen Theaters genau, weiß, was „neu und anders“ wäre. Der Veteran Frank Castorf zum Beispiel, der in Köln Dostojewskijs „Grünen Jungen“ dramatisierte. Sechs Stunden – das sei so ungewohnt gewesen, so „anders“.

          Ressentiment gegenüber einem Mann aus der Provinz

          Man fragt sich, warum das Ressentiment gegenüber einem Mann aus der Provinz hier so offen zutage tritt. Warum der Kölner Landeskenner Kermani von „Demütigung“ spricht und einen Theatermann öffentlich derart degradiert, dass der nur sieben Tage nach seiner Designation das Handtuch wirft. Könnte das am „von“ im Namen des Kandidaten liegen oder daran, dass es sich um einen Kandidaten und keine Kandidatin handelt? Hätte Kermani gegenüber einer „Frau aus der Provinz“ auch von „Demütigung“ gesprochen und „Scham“ empfunden? Das, was der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels über „den neuen Schauspielintendanten“ – den Namen will er nicht aussprechen – sagt, müsste er genauso über die designierte Intendantin der Münchner Kammerspiele Barbara Mundel sagen: Nicht frisch, nicht aufregend, provinzielles Niveau (in diesem Fall Freiburg). Aber wer weiß so genau, wie sich jemand aus der Provinz an der Spitze einer „A-Bühne“ entwickelt?

          Unabhängig von der sicherlich berechtigten Kritik am Vorgehen der Kölner Kulturpolitik, die, statt eine Findungskommission einzusetzen, auf den Ratschlag eines ehemaligen Bühnenverein-Direktors vertraute, wäre es geboten, Skepsis nicht in Vorverurteilung umschlagen zu lassen. Aber vielleicht ging es Kermani auch nicht in erster Linie um das Kölner Theater, sondern um seinen Einfluss in der Heimatstadt. Er nutzte den Anlass zu einer Generalabrechnung mit der dortigen Kulturpolitik, die keine neuen Kunstsammlungen gewinne, keinen Kammermusiksaal gebaut und auch seine Akademiegründung „in den Sand gesetzt“ habe. Er mag recht damit haben. Den Esel zu meinen, aber den Sack zu schlagen, war allerdings noch nie besonders fair.

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