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Cannes : „Danke, Mister Bush“: Goldene Palme für Michael Moore

  • Aktualisiert am

Nach einem Oscar nun die Goldene Palme: Michael Moore Bild: REUTERS

Michael Moore, einer der engagiertesten Gegner von George W. Bush, ist für seinen kritischen Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ bei den Filmfestspielen in Cannes überraschend mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden.

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          In der Nacht nach der Verleihung der Goldenen Palme hat Cannes den amerikanischen Regisseur Michael Moore und seinen Anti-Bush-Film „Fahrenheit 9/11“ gefeiert wie selten einen Gewinner zuvor. Beifall, Ovationen und Bravo-Rufe begleiteten den „Störenfried“ im Wahlkampf der Vereinigten Staaten, dessen politische Dokumentation sich gewohnt kritisch und mit dem Moore eigenen Witz mit Präsident George W. Bush befaßt.

          „Die rechtsgerichteten Medien in den Vereinigten Staaten werden sagen, dies ist ein französischer Preis“, meinte Moore unter Anspielung auf die strikte Pariser Haltung gegen den von Amerika geführten Krieg gegen Bagdad. In der neunköpfigen Jury von Cannes saßen allerdings auch vier Amerikaner.

          „Ein großer Film“

          Bei der Entgegennahme seines Preises habe er sein Schauspieler-Team ganz vergessen, sagte Moore am Samstag bei einer anschließenden Pressekonferenz in Cannes. „Wenn ich es jetzt tun kann, will ich George Bush, Dick Cheney, Paul Wolfowitz und Donald Rumsfeld danken“, zählte er dann die wichtigsten Repräsentanten der amerikanischen Regierung auf, um die sich sein Film dreht.

          Der Gewinner mit Kult-Regisseur Quentin Tarantino, dem Vorsitzenden der Jury
          Der Gewinner mit Kult-Regisseur Quentin Tarantino, dem Vorsitzenden der Jury : Bild: REUTERS

          Die Jury um den amerikanischen Regisseur Quentin Tarantino („Kill Bill“) hat mit der Goldenen Palme für Moore ein Zeichen im Wahlkampfjahr gesetzt. Der Film, der in den Vereinigten Staaten noch keinen Vertrieb gefunden hat, war schon während des Festival mit Ovationen bedacht worden. Tarantino habe ihm aber gesagt, er habe die Goldene Palme nicht aus politischen Gründen erhalten, sondern weil es „ein großer Film“ sei, erläuterte Moore.

          Moore widmete seinen Film „den Kindern Amerikas und des Iraks und all jenen in der Welt“, die unter Bushs Politik litten. Er äußerte die Hoffnung, daß auch „das amerikanische Volk“ den preisgekrönten Film nun bald sehen dürfe, damit „die Wahrheit ans Licht“ komme.

          Kein Preis für „Die fetten Jahre sind vorbei“

          Der deutsch-österreichische Beitrag „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner ging dagegen leer aus. Insgesamt standen 19 Filme im 57. Wettbewerb an der Côte d'Azur. Ein großes Fest war Cannes für den asiatischen Film, der sechs von 19 Beiträgen im Wettbewerb hatte. Der Große Jury-Preis ging an das Rachedrama „Old boy“ des Südkoreaners Park Chan-wook. Als beste Darsteller wurden der junge Japaner Yuuya Yagira aus „Nobody knows“ von Hirokazu Kore- eda und die Chinesin Maggie Cheung aus dem Drogenfilm „Clean“ von Olivier Assayas geehrt.

          Nach der Preisvergabe hatte als Gala-Vorstellung Irwin Winklers „De-lovely“ zum Leben des amerikanischen Songschreibers Cole Porter Weltpremiere. Kevin Kline spielt den Komponisten von „Night and Day“ und „In the Still of the Night“, wobei auch Rock- und Pop-Größen wie Alanis Morissette, Robbie Williams und Sheryl Crow darin auftreten.

          Die Liste der Gewinner:

          Goldene Palme: „Fahrenheit 9/11“ von Michael Moore (Vereinigte Staaten)

          Großer Preis der Jury: „Old boy“ von Park Chan Wook (Südkorea)

          Beste Schauspielerin: Maggie Cheung für ihre Rolle in „Clean“ von Olivier Assayas (Frankreich)

          Bester Schauspieler: Yagira Yuuya für seine Rolle in „Nobody knows“ von Kore-Eda Hirokazu (Japan)

          Beste Regie: Tony Gatlif für „Exils“ (Frankreich)

          Bestes Drehbuch: Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri für „Comme un miracle“ (Frankreich)

          Preis der Jury: Irma P. Hall für ihre Rolle in „Ladykillers“ von Joel und Ethan Coen (Vereinigte Staat) sowie der Film „Tropical malady“ von Apichatpong Weerasethakul (Thailand)

          Goldene Palme für den besten Kurzfilm: „Trafic“ von Catalin Mitulescu (Rumänien)

          Preis der Kurzfilm-Jury: „Flatlife“ von Jonas Geirnhart (Belgien)

          Goldene Kamera für das beste Erstlingswerk: „Mon trésor“ von Keren Yedaya (Israel)

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