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Bush-Kritik : Disney boykottiert Michael-Moore-Film

  • Aktualisiert am

Der Disney-Konzern hat seinem Tochterunternehmen Miramax untersagt, den Dokumentarfilm „Fahrenheit 911“ von Michael Moore in die Kinos zu bringen - eine weitere Abrechnung Moores mit George W. Bush.

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          Der Disney-Konzern hat den Vertrieb des neuen Bush-kritischen Dokumentarfilms „Fahrenheit 911“ von Oscar-Gewinner Michael Moore verboten.

          Moore mutmaßte am Mittwoch in einer Stellungnahme, daß Disney im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen auf Druck des Präsidentenbruders Jeb Bush gehandelt habe. Bekanntlich spare der Micky-Maus-Konzern in seinen Vergnügungsparks und Studios im Bundesstaat Florida, dessen Gouverneur Jeb Bush ist, Millionen von Steuerdollars. Die seien offenbar „gefährdet“ gewesen. In Florida war bei den Wahlen im Jahr 2000 unter nie vollständig aufgeklärten Umständen eine knappe, aber entscheidende Stimmenmehrheit für George W. Bush ausgezählt worden.

          Premiere in Cannes

          Der Kampf um „Fahrenheit 911“ halte bereits fast ein Jahr an und zeige, „wie schwierig es in diesem Land ist, ein Kunstwerk zu produzieren, das jene an der Macht verärgern könnte“. Die ganze Wahrheit über den Versuch, „unseren Film zu töten“, werde ans Licht kommen. Der Moore-Film hat beim nächste Woche beginnenden Festival von Cannes (12.-23. Mai) im Wettbewerb Premiere. Der Streifen kritisiert Bushs Verhalten vor den Terroranschlägen am 11. September 2001 und versucht, eine Verbindung zwischen Bush und einflußreichen saudi-arabischen Familien nachzuweisen, einschließlich jener des Terroristenführers Usama bin Ladin.

          Ein hochrangiger Vertreter des Disney-Konzerns, der namentlich nicht genannt wurde, wies gegenüber der „New York Times“ Vorwürfe einer politisch motivierten Einflußnahme zurück. Der Disney-Konzern habe das Recht, den Vertrieb von Filmen im eigenen Unternehmensbereich zu verhindern, wenn sie gegen Firmeninteressen verstoßen. Die Entscheidung gegen „Fahrenheit 911“ sei nicht unter Berücksichtigung der Geschäftsbeziehungen Disneys mit der amerikanischen Regierung gefällt worden, sondern mit Blick darauf, daß der Konzern Produkte für Familien vertreibe, die sämtliche politischen Richtungen und Überzeugungen umfaßten.

          Kritik von Konservativen

          Moores Filmagent Ari Emmanuel erklärte, Disney-Konzernchef Michael Eisner habe ihm gegenüber ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Disney den Verlust von Steuererleichterungen in Florida befürchte. Der Maus-Konzern war bereits vor einem Jahr von konservativen Kreisen heftig kritisiert worden, als bekannt wurde, daß die beiden Miramax-Chefs Bob und Harvey Weinstein den Moore-Film finanzieren würden.

          Miramax war vor mehr als zehn Jahren von Disney gekauft worden, hat aber eine vertraglich gesicherte weitgehende Entscheidungsfreiheit. Allerdings kann Disney den Vertrieb von Filmen laut Vertrag unterbinden, wenn diese Geschäftsinteressen des Konzerns zuwiderlaufen. Ein Miramax-Sprecher sagte, man werde nach einem Partner für den Vertrieb des Moore-Films suchen, der nicht unter der Kontrolle Disneys steht. Vorher werde Miramax aber versuchen, mit Disney eine „gütliche Einigung“ zu finden.

          Die bereits weitgehend vergebenen Auslandsrechte für „Fahrenheit 911“ sind von der Blockierung der amerikanischen Aufführung nicht betroffen. Der amerikanische Start war bislang für Juli ins Auge gefaßt worden. Moores Agent machte darauf aufmerksam, daß dessen Oscar-gekrönter Film „Bowling for Columbine“ lediglich 3 Millionen Dollar gekostet und 120 Millionen Dollar eingebracht habe. Eisners Entscheidung, den Vertrieb von „Fahrenheit 911“ zu untersagen, sei also finanziell zweifelhaft und zudem politisch stumpfsinnig.

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