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Stimmung im Wahlkampf : Umschwünge

Scholz, Baerbock oder Laschet: Hier noch im TV-Triell, am Sonntag wird es ernst an den Wahlurnen Bild: dpa

Wer hat wie zur Stimmung im Wahlkampf beigetragen? Wie hat sich der schmutzige Wahlkampf im Netz ausgewirkt? Das Umfrageinstitut Forsa weiß mehr.

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          Fridays for Future weiß, wie man mobilisiert. Kurz vor der Bundestagswahl eine Großdemo in Berlin, mit Greta Thunberg vornweg, um die Botschaft auszusenden: Bei dieser Wahl geht es nicht nur um die nächste Bundesregierung, sondern um­ die Rettung der Welt, ganz so, wie es die Aktivistin Luisa Neubauer darstellt. Dass es um alles geht, ist freilich, unter umgekehrten Vorzeichen, auch die Botschaft der Union mit der Warnung vor einer Linkswende.

          Was bei Wählerinnen und Wählern verfängt, geben die Meinungsforscher vor, könnten sie bis zur letzten Sekunde ermitteln. Wobei das Institut Forsa, das mit seinen Blitzumfragen zu den Triellen im Fernsehen und den Haltungsnoten für die drei Spitzenkandidaten die Stimmung mitbestimmt hat, in seiner Aussendung am Freitag im­merhin erwähnt, es sei nicht „die Hauptaufgabe von Wahl- und Meinungsforschern, den Wahlausgang präzise vorherzusagen. Der Anspruch seriöser Wahlforschung“ sei „vielmehr, den Verlauf der Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse der Wahlbürger transparent und adäquat nachzuzeichnen“. Das sei „gerade in diesem Wahlkampf mit den großen Umschwüngen in der Wählergunst wichtig“.

          Rot-grüne Allianz im Netz

          Wobei an dieser Stelle zu fragen ist, welchen Beitrag die täglichen Umfragen zu den Umschwüngen geleistet haben. Der letzte Wasserstand lautet, dass die SPD weiter mit 25 Prozent vorn liege, vor der Union mit 22, den Grünen mit 17, der FDP mit zwölf, der AfD mit zehn und der Linken mit sechs Prozent. Nichts Genaues weiß man nicht, müsste der Tenor also lauten.

          Schaut man auf den Wahlkampf im Internet, lautet das Ergebnis ganz anders: Hier hat Rot-Rot-Grün die Schlacht gewonnen, allerdings mit den Mitteln brutaler Überwältigung. Die Hashtag-Aktionen gegen Armin Laschet, die bei Telegram verabredet wurden und bei Twitter oder TikTok großen Widerhall fanden, haben Klima-Aktivisten und ein paar Politiker der Grünen und der Linken initiiert. Genutzt hat das aber nicht ihren Parteien und der Kandidatin Annalena Baerbock, die sich übler Nachrede aus vielen Richtungen ausgesetzt sieht, sondern der SPD. Die Union hatte alle Hände voll zu tun, die übelsten Verleumdungen zu dementieren (etwa dass Spendengelder für Flutopfer in Laschets Wahlkampf geflossen seien), während Olaf Scholz über den Dingen schwebte.

          So wie Grüne und Union durch ihre innerparteilichen Kämpfe auf der Vorderbühne an Zuspruch verloren, ging es auch bei den Hinterrücksaktionen im Netz aus: Der lachende Dritte könnte ein Sozialdemokrat sein. Vom Fernsehen, dem öffentlich-rechtlichen mehr noch als dem privaten, wurde das durch die Dauerpersonalisierung perpetuiert, genauso wie die enge Themensetzung (Klima, Klima, Klima). „Wie immer gilt auch vor dieser Wahl die alte Erkenntnis der Wahlforschung, dass vor einer Wahl ermittelte politische Stimmungen nicht mit den Stimmen am Wahltag übereinstimmen müssen“, schreibt Forsa kurz vor der Wahl. Die Ironie dürfte jedem ins Auge springen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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