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Bundesliga-Rechte : Die Liga will mehr Geld

  • -Aktualisiert am

Der Kameramann ist zur Stelle - Die Bilder vom Fußball könnten künftig statt im Fernsehen auch im Internet laufen Bild: Wonge Bergmann

Am Donnerstag setzt das Wettbieten um die Fußball-Bundesliga an. Es wird spannend: Die ARD muss um jeden Preis die „Sportschau“ halten, doch aus dem Internet erwächst starke Konkurrenz. Und auch die Telekom spielt mit.

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          Goldgräberstimmung, das war einmal. Etwa, als Karl-Heinz Rummenigge der Fußball-Bundesliga eine Steigerung der Erlöse aus den nationalen Fernseheinnahmen von jetzt durchschnittlich 412 Millionen Euro im Jahr auf 800 Millionen hochrechnete. Die Rechnung des Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München wird in absehbarer Zeit nicht aufgehen. Weder bei der jüngsten Rechteausschreibung für die Jahre zwischen 2013 und 2017 noch bei der danach folgenden Vierjahresauktion. Diejenigen, die von Berufs wegen den Umgang mit dieser komplexen Materie beherrschen, sehen dem Ausgang des am 19. Dezember 2011 auf den Weg gebrachten Bieterverfahrens gleichwohl mit realistischer Zuversicht entgegen.

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          Aus Kreisen der Bundesliga sind hoffnungsfrohe Sätze zu hören wie: „Die Liga wird mehr Geld zur Verfügung haben als je zuvor.“ Spekuliert wird mit einem rund zehnprozentigen Zuwachs, den vor kurzem ein Marktkenner wie Alexander Mogg von der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger vorhersagte. 460 Millionen statt 412, dazu siebzig Millionen Euro aus der künftigen Auslandsvermarktung der Bundesliga statt bisher 47, das wären schon 530 Millionen. Bezöge man die vierzig Millionen Euro pro Jahr aus dem vom 1. Juli an gültigen Vierjahresfernsehvertrag über die DFB-Pokalspiele mit ein, könnten der Liga mit Beginn der Spielzeit 2013/14 jährlich etwa 570 Millionen Euro zufließen.

          Kein ganz schlechtes Ergebnis vor dem Hintergrund der europäischen Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise, zumal die Fernsehgelder auf einem großen Markt wie Frankreich, wo ein Telekommunikationsanbieter (Orange) ausstieg, rückläufig sind (570 Millionen zwischen 2012 und 2016 statt 668 zwischen 2008 und 2012). Und beim Marktführer England, dessen Pay-TV-Rechte sich zurzeit auf einen Jahresbetrag von 770 Millionen Euro summieren, konnte zuletzt nur ein einstelliges Prozent-Wachstum erzielt werden.

          Jedes Jahr 250 Millionen Euro

          Die Bundesliga, weltweit die sechstgrößte Sportliga und mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro die Nummer zwei unter den europäischen Fußballligen, glaubt sich für die laufende Auktion um die begehrtesten Medienrechte gut gerüstet. Als sie 2008 mit ihren zentralen Partnern Sky - der Unterföhringer Bezahlfernsehsender überweist jährlich im Schnitt 250 Millionen Euro -, ARD (hundert Millionen) und dem Internetfernsehanbieter Deutsche Telekom (25 Millionen) abschloss, sah sie sich drei Monopolisten gegenüber, die keinen Wettbewerb fürchten mussten.

          Zwar hat sich die deutsche Fernsehlandschaft seitdem nicht wesentlich verändert, doch die Konkurrenzsituation ist aus Sicht der Liga besser geworden. Wenn Chefunterhändler Christian Seifert im April die Gebote für die ausgeschriebenen Rechtepakete sichtet und bewertet, haben der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) und seine engsten Mitstreiter mehr Entscheidungsfreiheit als zuvor. Das liegt auch daran, dass das Bundeskartellamt anders als im Jahr 2008 seine Zustimmung zur zentralen Vermarktung der Rechte nicht weiter an eine Ausstrahlung der Samstagnachmittagsspiele der Bundesliga vor zwanzig Uhr im frei empfangbaren Fernsehen koppelte. Es muss in Zukunft nicht mehr zuerst die traditionelle ARD-“Sportschau“ sein, die fünf bis sechs Millionen Zuschauern schon eine gute Stunde nach den Liveübertragungen der Spiele bei Sky die Highlights der fünf Begegnungen plus des Freitagabendspiels präsentiert. Statt der institutionalisierten Fußballshow am frühen Samstagabend von 18.30 Uhr an könnte diesmal auch eine Internet-“Sportschau“ von 19 Uhr an zu sehen sein. Fußball im Web-TV - auch darauf kann nach den aktuell liberalisierten Vorgaben der Kartellwächter diesmal geboten werden.

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