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Bundeskulturstiftung : Alles außer Nolde

  • -Aktualisiert am

Der Sitz der Bundeskulturstiftung in Halle Bild: dpa

Die Bundeskulturstiftung sucht, was ihre Finanzausstattung angeht, in Europa ihresgleichen. Fast neununddreißig Millionen Euro kann sie jedes Jahr ausgeben. Wen oder was genau aber fördert sie eigentlich?

          6 Min.

          Die Lieblingsbeschäftigung deutscher Kulturpolitiker ist die Erfindung von Institutionen. Meist, im trüben Alltag, müssen sie bestehende Häuser, Stiftungen oder Akademien gegen die Begehrlichkeiten der Haushälter verteidigen, müssen sparen, umstrukturieren, zusammenlegen, Intendanten feuern, Sponsoren charmieren und brav alle Premieren absitzen.

          Kulturpolitik, sagen altgediente Recken, habe viel mit Politik zu tun, aber wenig mit Kultur. In ihren Sternstunden jedoch werden die Kulturpolitiker zu Institutionen-Bauern, zu Gründervätern (oder -müttern), zu lauter nachgeborenen Hilmar Hoffmanns, die immer neue Museen, Literaturhäuser, Festivals und Agenturen ins Leben rufen. Solche Schöpfungsakte gelten als Ausweis von Durchsetzungsfähigkeit und kulturpolitischer Kompetenz, garantieren Aufmerksamkeit, versprechen Prestige und Dauer: Nur wer gründet, bleibt; mögen die längst etablierten Einrichtungen dabei auch gelegentlich das Nachsehen haben.

          Einzigartig in Europa

          Folgt man dieser Binnenlogik, dann war Julian Nida-Rümelin ein über die Maße erfolgreicher Kulturpolitiker. In seinen beiden Jahren als Staatsminister für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt nämlich hat er mit der "Bundeskulturstiftung" (BKS) eine Institution ersonnen und durchgesetzt, die in Europa ihresgleichen sucht - jedenfalls was ihre Finanzausstattung angeht. Ihre Gründung im Frühjahr 2002 wird gern, wie der Erwerb der Sammlung Berggruen, als Bravourstück sozialdemokratischer Kulturpolitik der Ära Schröder hervorgekehrt, auch weil damit nach Jahrzehnten endlich eine alte Idee von Günter Grass verwirklicht werden konnte.

          Daß dem Nobelpreisträger seinerzeit ganz andere Zwecke für die von ihm ersonnene "Nationalstiftung" vorschwebten, tat der Euphorie über die kreative Tat sowenig Abbruch wie der Umstand, daß Nida-Rümelins vergleichsweise tiefer Schluck aus der Pulle nicht mehr sonderlich viel Nektar für seine Nachfolgerin übriggelassen hat. Sei's drum: Jetzt ist das Geld da, und das allein scheint die Existenz der BKS zu rechtfertigen. Nicht einmal mehr die Opposition möchte auf sie verzichten.

          Ein fetter Batzen

          Was aber macht diese Bundeskulturstiftung? Eine vorbereitende, einfache Antwort lautet: Sie residiert in Halle, betreibt eine recht geräumige Dependance in Berlin, beschäftigt mittlerweile zweiundzwanzig feste Mitarbeiter und besitzt, was fast niemand sonst mehr hat: Geld. Nicht gerade im Überfluß, aber immerhin. Fast neununddreißig Millionen Euro kann die BKS jedes Jahr ausgeben.

          Das ist, vergleicht man die Summe mit den vierhundert Millionen, die die Bundesregierung künftig alljährlich allein in die Förderung der Energieforschung stecken will, nicht atemraubend viel. Für die Künste jedoch ist es in Zeiten allseits schrumpfender Kulturetats ein fetter Batzen, von dem jeder gern ein Stückchen abbekäme. Geradezu magnetisch aber wird die Anziehungskraft dieses Geldes, weil nicht recht klar ist, nach welchen Kriterien die noch junge Stiftung es verteilt. Ein jeder also kann sich Hoffnungen machen.

          Ohne Scheck kein Punk!

          Blättert man in den Tätigkeitsberichten und Pressemitteilungen der BKS, finden sich darin Zuschüsse für so diverse Vorhaben wie den Forschungsschwerpunkt "Islam und Moderne" am Berliner Wissenschaftskolleg, die Donald-Judd-Ausstellung in Düsseldorf (F.A.Z. vom 7. Juli), Theaterfestivals in Hamburg, Hannover, Leipzig, Köln und Berlin, die Kubrick-Retrospektive in Frankfurt, das 16. European Media Art Festival "transmitter" in Osnabrück, das Stipendienprogramm auf Schloß Wiepersdorf, die "Woche des bosnischen Films", den Kongreß "Punk!" in Kassel, den Musiksommer "young.euro.classic" in Berlin und deutsch-russische Jugendbegegnungen.

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