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Bühnen- und Filmschauspieler : Hilmar Thate ist gestorben

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Mit Wolf Biermann im Mai 2004 bei der Gala zum 90. Geburtstag von George Tabori im Berliner Ensemble

Als Gastschauspieler war Thate unter anderem in Basel in der Titelrolle in Molières „Tartuffe“ (1982) zu sehen, bei den Salzburger Festspielen und am Münchner Residenztheater als Sganarell in Molières „Don Juan“ (1983/1984) und in der Bochumer Uraufführung von Heiner Müllers „Anatomie Titus Fall of Rome“. Nach Thates Engagement in Savarys „Bye Bye Show Biz“ (1985/1986) am Württembergischen Staatstheater Stuttgart stand er 1986 – zusammen mit seiner Frau in der Rolle der Martha – als George in Edward Albees Ehedrama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ auf der Bühne des Berliner Schlosspark-Theaters. 1987 holte Georg Tabori Thate und seine Frau an sein Wiener „Kreis“-Theater. In der Tabori-Inszenierung von Thomas Braschs „Frauen. Krieg. Lustspiel“ (1988) spielte Thate bei den Wiener Festwochen und bei den Bregenzer Festspielen den Pandarus, in dem Zwei-Personen-Dialog „Stalin“ von Gaston Salvatore (1988) den Itsig Sager, wobei beide Male Frau Domröse mit von der Partie war.

Fassbinder, Schlöndorff, Wedel

1983 hatte Thate das Angebot des NDR abgelehnt, die Nachfolge von Walter Richter als „Tatort“-Kommissar anzutreten. In der Folge, vor allem ab den neunziger Jahren, sah man in jedoch vermehrt in anderen Fernsehproduktionen. Zusammen mit seiner Ehefrau stand er für den subtilen Psychothriller „Hurenglück“ (1991 im ZDF) gemeinsam vor der Kamera, hier spielt er einen brutalen Zuhälter. In dem im Januar 1998 von Sat.1 gesendeten Sechsteiler „König von St. Pauli“ ließ Regisseur Dieter Wedel Thate die Kiez-Größe Rudi Kranzow spielen, den Boss des Striplokals „Blaue Banane“, der für den Erhalt seines Nachtklubs kämpfen muss. Neben Dieter Pfaff als Koch sah man Thate im Jahr 2000 als abgehalfterten Mafia-Boss Cäsar Klein in Udo Wachtveitls Satire „Krieger und Liebhaber“.

Mit seiner Ehefrau Angelica Domröse im  März 2011 vor der Premiere ihres Films „Ost-Legenden: Domröse & Thate“

Eine der ersten Kinorollen Thates im Westen war die des Robert Kron unter der Regie Rainer Werner Fassbinders in dessen Film „Die Sehnsucht der Veronika Voss“. Eine Hauptrolle spielte Thate 1999 in Andreas Kleinerts hoch gelobtem und preisgekröntem Kinofilm „Wege in die Nacht“. Er gab darin einen ehemaligen Direktor eines DDR-Kombinats, der auch acht Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR und der deutschen Wiedervereinigung mit den neuen Zeiten nicht zurechtkommt und arbeitslos ist. Abends patrouilliert er zusammen mit zwei Jugendlichen als eine Art private Wachmannschaft durch die Berliner U-Bahn und versucht so, seinem Dasein einen Sinn zu geben. Im Jahr 2004 spielte Thate einen Bischof in Volker Schlöndorffs KZ-Drama „Der neunte Tag“, das von einen Priester erzählt, der zwischen die Fronten seines Glaubens und der nationalsozialistischen Ideologie gerät.

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