Zur Lage des Dramaturgen :
Wer soll Euch denn noch entzünden?

Lesezeit: 6 Min.
Eine Schule der Menschlichkeit solle das Theater sein, beschloss der erste Dramaturg der Geschichte: Lessing am Hamburger Schauspielhaus.
Heute beginnt in Berlin das Theatertreffen, aber einer fehlt wieder: Der Dramaturg. Dabei kann das Theater sich nicht leisten, ihn zu vergessen – und er muss Bibliothekar und Händler zugleich sein.

Seit 1964 fördert die Kulturstiftung des Bundes das alljährliche „Theatertreffen“. Immer noch gilt eine Einladung als Ritterschlag. Auf den Premierenpartys wird in diesen zwei Wochen die aktuelle Lage des Theaters bestimmt: Worüber man hier spricht, das ist relevant. Geredet wird naturgemäß viel über Regisseure und Schauspieler, ein wenig auch über Autoren und Intendanten und manchmal über den einen oder anderen Bühnen- und Kostümbildner. Nur ein Theaterposten bleibt auffällig unerwähnt: der Dramaturg. Warum eigentlich? Wann hat das angefangen, dass Dramaturgen dem Theater gleichgültig geworden sind? Dass sie ihre einflussreiche Stellung eingebüßt haben und zu Hilfsarbeitern des Betriebs degradiert wurden, die organisieren, vermitteln und hier und da ein paar Sätze für das Programmheft schreiben?

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