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Zum Tode Karlheinz Hackls : Der Herrenlausbub

  • -Aktualisiert am

Ein Mann der Nuancen: Laut musste Hackl nie werden, um in seinen Rollen gefährlich zu wirken. Bild: dpa

Seine bitter-melancholischen Gesichtszüge und sein herrenhafter Lausbubcharme werden in Erinnerung bleiben: Zum Tod des Schauspielers Karlheinz Hackl.

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          Es kommt nicht oft vor, dass Schauspieler eine politische Partei gründen. Der gebürtige Wiener, aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende studierte Betriebswirt und zum Burgtheatermitglied aufgestiegene Karlheinz Hackl hat es versucht. Seine Partei „Soziale Kultur Österreichs“ schaffte es naturgemäß nicht in den österreichischen Nationalrat, in dem diese Art von Kultur sowieso nicht unbedingt heimisch zu sein scheint. Dafür verkörperte der hochgewachsene, elegante Hackl auf der Bühne eine ganz eigene soziale Kultur.

          Deren herrenhafter Lausbubencharme war alleweil mit den unnachahmlich melancholisch-bitterseligen Gesichtszügen gesegnet, wie sie für Horváths haltlose Strizzis wie für Schnitzlers oder Hofmannsthals hilflose Liebhaber wie für Nestroys bodenlose Zerrissene (und für alle liebeskarussellbremsende „Lilioms“ sowieso!) unabdingbar sind. Von den Figuren eines Grillparzer, Raimund oder Turrini ganz zu schweigen. Diese alle aber serviert mit jenem weichen, modulationssicheren Baritonvibrato, das noch aus einem sich in alle Ibsen-Einsamkeiten verrennenden nordischen „Volksfeind“ ein ansehnlich gebrochenes Wiener Mannsbild destillierte.

          Karlheinz Hackl mit Kitty Speiser bei den Proben zum Stück „Der Zerissene“ im Jahr 2005.
          Karlheinz Hackl mit Kitty Speiser bei den Proben zum Stück „Der Zerissene“ im Jahr 2005. : Bild: picture alliance / AP Photo

          Laut musste der Fein- und Charmespieler Hackl nie werden. Gefährlich und gefährdend wirken konnte er dagegen wunderbar, zum Beispiel als daueralkoholisierter, spielsüchtiger Offizier in den galizischen k.u.k. Sümpfen in Axel Cortis Verfilmung von Roths „Radetzkymarsch“. Seit er 2005 auf der Bühne als Nestroys Herr von Lips in einer Aufführung des „Zerrissenen“ zusammenbrach und er danach seine Erkrankung an einem Gehirntumor öffentlich machte und darüber und seine zeitweise Genesung ein Buch schrieb, „Meine zwei Leben – ein ziemliches Theater“, das 2009 pünktlich zu seinem sechzigsten Geburtstag erschien, verlegte er sich mehr auf das, was der zeitberuflebens ins Kabarett Verliebte auch hinreißend konnte: den Vortrag bittersüßtrauriger Chansons seines 2007 verstorbenen Freundes Georg Danzer. Letztes Jahr noch brachte er „Mei Leb’n – Karlheinz Hackl singt Georg Danzer“ heraus. Unmittelbar danach meldete sich der Krebs zurück. Jetzt ist Karlheinz Hackl kurz nach seinem fünfundsechzigsten Geburtstag in Wien gestorben.

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