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Zum Tod von Pepsi Auer : Der ständige Begleiter

  • -Aktualisiert am

Pepsi Auer am Klavier mit dem HR-Jazzensemble Bild: HR/Kurt Bethke

Aus der Frankfurter Schule des Jazz: Der Pianist Pepsi Auer, eine prägende Figur des Nachkriegsjazz, ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

          Er wurde immer zur Frankfurter Schule des Jazz gezählt. Der Münchner Pianist Josef „Pepsi“ Auer gehörte am 23. Mai 1958 mit Albert und Emil Mangelsdorff zu den Gründervätern des bis heute existierenden Jazzensembles des Hessischen Rundfunks. Er war Mitglied der vom Posaunisten Albert Mangelsdorff geleiteten Frankfurt All Stars, die auf Auslandstourneen gelegentlich auch „German All Stars“ genannt wurden, und er gehörte in den fünfziger und frühen sechziger Jahren zu jenen Musikern, die man immer wieder bei Jam Sessions im Frankfurter Jazzkeller, dem Nukleus des Nachkriegsjazz in Deutschland, hören konnte.

          Auers Karriere als Jazzmusiker - er wurde wie Albert Mangelsdorff 1928 geboren - nahm den für seine Generation in Deutschland typischen Verlauf. Zunächst spielte er Akkordeon in einem Jugendorchester, brachte sich später selbst das Vibraphonspiel bei und machte erste autodidaktische Jazzerfahrungen in Clubs der amerikanischen Streitkräfte in München. Erst mit einundzwanzig Jahren wechselte er ans Klavier, leitete zusammen mit dem Trompeter Freddy Christmann eine Combo und gehörte dann dem Orchester des Schlagzeugers Freddie Brocksieper an.

          Kein Avantgardist

          Anfang der sechziger Jahre war er wieder vor allem in München tätig, wo er vorwiegend als freier Studiomusiker, Arrangeur, Komponist von Film- und Fernsehmusiken („Ein Sommer mit Nicole“) sowie als Begleiter amerikanischer Jazzmusiker wie Stan Getz, Benny Bailey, Eric Dolphy oder der Schweizer Sängerin Miriam Klein auf deren Europatourneen zusammenarbeitete. Daneben wirkte er im Jazzorchester des Bayerischen Rundfunks, das er zusammen mit Don Menza auch eine Zeit lang leitete, im Orchester von Kurt Edelhagen und als Arrangeur des Südwestfunk-Tanzorchesters von Rolf Hans Müller.

          Pepsi Auer, der in den sechziger Jahren auch einige Aufnahmen mit Albert Mangelsdorff herausbrachte, hat die avantgardistischen Experimente in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren bis hin zum Free Jazz nicht mitvollzogen. Er ist eigentlich immer als hervorragender Begleitpianist dem Mainstream verhaftet geblieben. Stilistisch erinnerte er mit seinem rhythmisch prägnanten, nie übertrieben virtuosen Klavierspiel an den Hardbop eines Horace Silver, bisweilen auch an die klassische Bebop-Phrasierung eines Bud Powell aus dem Kreis um Charlie Parker. An Ostern ist Pepsi Auer jetzt im Alter von vierundachtzig Jahren in seiner Heimatstadt München gestorben.

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