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Zum Tod von Michael Hirsch : Aberwitziger Virtuose

Michael Hirsch 1958 - 2017 Bild: Deutsche Oper Berlin

Der Komponist Michael Hirsch war ein Grenzgänger zwischen Bildender Kunst und Musik. Seine Kompositionen verwischten die Genregrenzen mit dadaistischer Phantasie und höchster Virtuosität. Jetzt ist er mit 58 Jahren gestorben.

          Der Schauspieler, Musiker und Komponist Michael Hirsch starb überraschend am Montag, wie jetzt erst bekannt wurde, im Alter von 58 Jahren.  Erst Ende Januar hatte er an der Deutschen Oper Berlin, und zwar in deren dem Experiment vorbehaltenen Nebenspielstätte „Tischlerei“, sein  jüngstes Werk vorgestellt: „Dido“,  eine komponierte Interpretation der bekannten Purcell-Oper, kombiniert  oder vielmehr konfrontiert und übermalt mit Hirschs eigener  Neufassung des Stoffes. Mit dem Komponieren hatte Hirsch, geboren 1958 in München, erst spät und auf Umwegen begonnen, zunächst als Autodidakt, dann als Schüler von Josef Anton Riedl in München und von Dieter Schnebel in Berlin. Gleichzeitig trat er multifunktional als Sprecher und Sänger in dem von Schnebel gegründeten Ensemble „Die Maulwerker“  in Erscheinung,  um mit stoischer Miene und höchster Virtuosität die aberwitzigsten Zwischenstufen und Grenzgänge zwischen dadaistischer Sprachkomposition und Geräuschorgien, zwischen Komödien und Tragödien zu „performen“ oder vielmehr, ins Sicht- und Hörbare zu übertragen. 

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auch der Regisseur Achim Freyer, Spezialist für Grenzüberschreitung zwischen bildender Kunst und Musik, engagierte Hirsch für sein Freyer-Ensemble. Und auch in seinen eigenen Kompositionen hielt sich Hirsch ans Prinzip des Performativen. Er schrieb eine Fülle von Vokal- und Instrumentalmusiken, kurze witzige Solostücke, abgründige Kammermusiken, in denen die Grenzen der Genres sich verwischten, Opern, Hörspiele. Trat auf oder lieferte Auftragswerke bei beziehungsweise für alle großen Musikfestivals in Donaueschingen, bei den Wittener Tagen für Neue Musik, Ultraschall oder Eclat. Was auch immer er anpackte, es war stets elaboriert, aber nie prätentiös, oft kurz, aber nie einfach, erst recht nicht selbstreferentiell oder gar langweilig. 

          Letztlich unterscheidet sich Michael Hirsch von anderen Komponistenkollegen durch seinen Praxisbezug: Er ist kein Bewohner des Elfenbeinturms. Seine erste abendfüllende Oper schrieb er im Jahr 2000 für das Theater in Bielefeld:  „Das stille Zimmer“. Den Durchbruch erzielte er 2009 mit „Tragicomedia“, uraufgeführt in Stuttgart.  Seine letzte, „Dido“   -  ein „Musiktheater in zwei Teilen für sechs Gesangssolisten, Kammerensemble und diverse Zuspielungen“, ist zur Zeit noch auf dem Spielplan in Berlin zu besichtigen.

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