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Nachruf auf Penderecki : Der König in seinem Garten

Bild: Reuters

Er wusste genau um seinen Rang und seinen Wert, und er hat mit Neuer Musik die Öffentlichkeit mobilisiert, wie es kaum jemandem sonst gelang: Zum Tod des polnischen Komponisten und Dirigenten Krzysztof Penderecki.

          4 Min.

          Der Abend des 12. Februar 2013 brachte eine denkwürdige Szene in Kopenhagens Opernhaus. Dänemarks Königin Margrethe II. war gekommen, um die Uraufführung der überarbeiteten Version der „Teufel von Loudun“ von Krzysztof Penderecki zu besuchen. Wie bei der Anwesenheit der Königin üblich, knicksten alle Damen beim Schlussapplaus zuerst in Richtung ihrer Loge, die Herren verbeugten sich. Dann kam Penderecki selbst, wandte sich nach rechts, blieb aber aufrecht. Lauter Applaus im Saal, doch in der Blickachse von der Bühne zur Loge Spannung wie zwischen zwei Magneten gleicher Polung. Dann ein kurzes, höfliches Kopfnicken Pendereckis hin zur Königin. Majestäten verneigen sich nicht voreinander.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Krzysztof Penderecki und seine Frau Elżbieta Penderecka waren ein königliches Paar. Und sie wussten es, kannten ihren Rang und ihren Wert genau. Wer die Bedingungen respektierte, nach denen sie behandelt zu werden wünschten, erfuhr im Gegenzug Großzügigkeit, Einfachheit, durchaus Warmherzigkeit, immer aber eine ausgesuchte Höflichkeit im Umgang. Spätestens seit dem Tod von Witold Lutosławski im Februar 1994 war Penderecki – als Komponist, als Dirigent und Kulturpolitiker – unangefochten der Monarch des polnischen Musiklebens. Aber sein sagenhafter Ruhm, der unter seinen Zeitgenossen ohne Vergleich blieb und auch in der Geschichte nur wenige Vorbilder hatte – vielleicht in Beethoven, Tschaikowsky, Verdi oder Richard Strauss –, hatte schon früh begonnen.

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