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Zum Tod von Jacques d’Amboise : Er brachte alle zum Tanzen

  • -Aktualisiert am

Jacques d'Amboise 1965 im New Yorker Lincoln Center Bild: AP

Seine wahre Berufung fand er darin, Kindern ohne Druck dabei zu helfen, ihre Gefühle in Tanz zu verwandeln. Nun ist Jacques d’Amboise, der erste große Star des „New York City Ballet“, im Alter von 86 Jahren gestorben.

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          Er war der erste große Star unter den fabelhaften Männern des „New York City Ballet“ und der erste Star, den George Balanchine an der von ihm 1934 gegründeten „School of American Ballet“ ausgebildet hatte. Mit nur fünfzehn Jahren nahm sein Lehrer den erstaunten Jungen in die Company auf. Wie er oft erzählte, gab es in New York, wo Joseph Jacques Ahearn als Sohn einer Hilfskrankenschwester und eines Liftboys aufwuchs, nur zwei mögliche Karrieren für einen Jungen, der zu einer Straßengang gehörte. Entweder wurde man Polizist oder Gangster. Jacques d’Amboise wurde Tänzer, denn seine Mutter hatte ihn als Siebenjährigen zum Ballettunterricht geschickt. Es hatte ihm gefallen.

          Jahrzehnte später, als erfolgreicher, mit einer Tänzerin verheirateter, glücklicher Vater von vier Kindern wusste er noch genau, wie sich Kindheit auf der Straße anfühlt. Darum gründete er 1976 das „National Dance Institute“. Die Idee war, allen Kindern kostenlosen Tanzunterricht in ihren öffentlichen Schulen zu ermöglichen. Was mit dreißig Jungen begann, ehe später auch Mädchen mitmachen durften, hat bis heute mehr als zwei Millionen Kinder erreicht.

          Auch D’Amboise hatte sich bereits als Kind auf den Weg zum Tänzer gemacht, ohne zu wissen, dass er einmal an der Seite so wundervoller Ballerinen wie Suzanne Farrell oder Diana Adams tanzen, in Balletten „Jewels“ und „Stars and Stripes“ die Zeit seines Bühnenlebens haben oder in die Rolle eines Gottes schlüpfen würde: Für ihn nahm Balanchine 1957 sein Strawinsky-Meisterwerk „Apollon“ wieder auf. D’Amboise liebte den Broadway, und als er 1954 in Stanley Donens Film „Seven Brides for seven Brothers“ spielte und tanzte, sahen viele in ihm den neuen Gene Kelly. Doch ihm war die Arbeit mit Balanchine wichtiger, der in drei Jahrzehnten 24 neue Rollen für ihn schuf. D’Amboise stand kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag, als er seine Karriere am NYCB beendete. Seine durch Balanchine und Lincoln Kirstein genährten Hoffnungen, nach dem Tod Balanchines dessen Nachfolger zu werden, erfüllten sich nicht. Also ging er fort, lehrte und strahlte, als die Dokumentation über seine Arbeit mit Kindern „He makes me feel like dancing“ 1983 einen Academy Award und einen Emmy gewann.

          Seine wahre Berufung fand er darin, Kindern ohne Druck dabei zu helfen, ihre Gefühle in Tanz zu verwandeln, und von klein auf zu erleben, was es heißt, Erfolge zu feiern. Am 2. Mai ist Jacques d’Amboise im Alter von 86 Jahren in Manhattan gestorben.

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