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Zum Tod Ravi Shankars : West-östlicher Guru

  • -Aktualisiert am

Er brachte die Feinheiten des Sitar hervor: Ravi Shankar im hohen Alter Bild: dapd

Er selbst hatte es einmal gut und schlecht zugleich genannt, George Harrisons Guru gewesen zu sein. Indiens Premierminister zählt ihn zu den „nationalen Schätzen des Landes“. Zum Tod des indischen Sitar-Virtuosen Ravi Shankar.

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          Die Situation war zu bezeichnend, als dass man sie gnädig vergessen könnte. Anfang der siebziger Jahre saß Ravi Shankar auf einer Konzertbühne in London, begann auf seinem Sitar eine Reihe von Tönen hervorzubringen, zu denen die Spieler von Tanpura und Tabla allmählich ihre Klänge beisteuerten. Nach ein paar Minuten intensiven Einhörens in die Instrumente verstummten die Musiker. Den einsetzenden Applaus des Publikums unterbrach Ravi Shankar mit sanfter Stimme: „Ich habe nur mein Instrument gestimmt. Wenn Ihnen das schon so gefällt, wird Ihnen hoffentlich auch das Konzert gefallen.“

          Es war nicht das einzige Mal, dass ihm dieses wohlwollende Missverständnis begegnete. Ravi Shankar war sich dessen wohlbewusst, dass sich seine unverhoffte Popularität bei einem vorwiegend jungen Publikum vor allem den Beziehungen zu den Byrds und den Beatles verdankte, die den Klang des Sitar, des herausragenden Instruments nordindischer Hindustani-Musik, in ihre Songs integriert hatten: „George Harrisons Guru zu sein war gut und schlecht zugleich. Gut, weil indische Musik von vielen jungen Leuten entdeckt wurde. Und schlecht, weil viele nicht die Ernsthaftigkeit dieser Musik erkannten.“

          Über die Flower-Power-Gemeinde hinaus

          Für das Interesse Jugendlicher an den Klängen, die er mit seinem Instrument hervorbrachte, hatte Ravi Shankar auch eine musikalische Erklärung. Indische Musik basiere auf Melodie und Rhythmus, habe jedoch kein vergleichbares System von Harmonie und Kontrapunkt. Ferner beruhe eine westliche Komposition auf vielen, oft kontrastierenden Stimmungen, während sich die indische nur auf ein Gefühl konzentriere und dadurch eine intensive, hypnotische, oft magische Wirkung erzielen könne. Das Interesse an seiner Musik beschränkte sich freilich keineswegs auf die von Räucherstäbchen und ritueller Freundlichkeit faszinierte Flower-Power-Gemeinde, die den Sitar-Spieler zu den Festivals in Woodstock und Monterey einlud.

          Mit George Harrison im August 1967 in Los Angeles
          Mit George Harrison im August 1967 in Los Angeles : Bild: dapd

          Der französische Flötist Jean-Pierre-Rampal, der Avantgardist John Cage, der Free-Jazz-Revolutionär John Coltrane und der Geiger Yehudi Menuhin fühlten sich alle von diesen Klängen angesprochen, von der Vielfalt subtilster Nuancen im melodischen Ablauf einer fast völlig improvisierten Musik auf dem Neunzehn-Saiten-Instrument Sitar mit seinen zusätzlichen Bordun- und Resonanz-Saiten.

          Einer der „nationalen Schätze“ Indiens

          Ravi Shankar stammte aus einer wohlhabenden Brahmanenfamilie aus Varanasi und begann seine künstlerische Karriere zunächst als Tänzer in der Kompanie seine Bruders Uday Shankar. Später studierte er klassische indische Musik und Sitar bei Allauddin Khan in Maihar. Seit den späten dreißiger Jahren trat er öffentlich als Sitar-Spieler auf und begann für sein Instrument, aber auch für Mischensembles mit indischen und europäischen Instrumenten zu komponieren. Er war ein gefragter Lehrer für klassische indische Musik an indischen und amerikanischen Universitäten, seit 1997 in San Diego, wo er bis zuletzt lebte und von wo aus er - teilweise mit seiner ebenfalls Sitar spielenden Tochter Anoushka Shankar, der Halbschwester der Sängerin Norah Jones - seine Konzerttourneen organisierte.

          Mit seiner Tochter Anoushka Shankar im Februar 2002
          Mit seiner Tochter Anoushka Shankar im Februar 2002 : Bild: dapd

          Am Dienstag ist er dort im Alter von zweiundneunzig gestorben. Seinen Tod hat Indiens Premierminister Manmohan Singh mit den Worten kommentiert, Ravi Shankar, der Botschafter indischer Kultur in der ganzen Welt, gehöre mit seiner Kunst unwiderruflich zu den „nationalen Schätzen des Landes“.

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