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Zum Tod von Sylvia Geszty : Die Primadonna auf dem Hochseil

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Ihre mühelosen Spitzentöne brachten ihr den Titel der „Königin der Koloraturen“. Als Sopranistion erlebte sie auch die düsteren Seiten des Musikbetriebs. Jetzt ist Sylvia Geszty mit 84 Jahren gestorben.

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          Die Flötentöne der dritten Oktave, von Mozart in den Arien der Königin der Nacht ebenso verlangt wie von Richard Strauss im Kürstück der Zerbinetta („Großmächtige Prinzessin“), sind Sonderzuteilungen der Natur. Dank ihrer mühelosen Spitzentöne und ihrer außergewöhnlichen Agilität gerade in diesen Partien ist die 1934 in Budapest geborene Sylvia Geszty zur „Königin der Koloraturen“ ausgerufen worden. Sie war es – und sie war sehr viel mehr.

          Nach zwei Anfängerjahren an der Budapester Staatsoper wurde Sylvia Geszty 1961 nach Berlin verpflichtet, sang zum Debüt die Stimme vom Himmel in „Don Carlos“, bewährte sich in Partien wie Blonde („Die Entführung aus dem Serail“) und Oscar („Ein Maskenball“), übernahm in einer Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ (Regie: Walter Felsenstein) die drei Sopran-Partien und avancierte als Zerbinetta zur „Primadonna unter den Linden“. Als Zerbinetta ging sie fortan in Hamburg wie in Stuttgart aufs Hochseil.

          Die menschlichste Darstellung von allen

          In der glänzend besetzten Aufnahme von „Ariadne auf Naxos“ unter Rudolf Kempe (1968) gelang ihr die Arie, zum Staunen der Techniker und zur Bewunderung des Dirigenten, in einem einzigen Take. Ihre Darstellung der Partie ist, nach dem Urteil des englischen Kritikers John Steane, „die ausdruckswärmste, vielgestaltigste und menschlichste Darstellung von allen“. Ein Jahr zuvor hatte sie mit ihren Feuerball-Staccati in „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ bei den Salzburger Festspielen Sensation gemacht. Nach ihrer Übersiedlung nach Westdeutschland 1970 folgten Engagements in Hamburg (1970–1972) und Stuttgart (1972–1977), Gastspielauftritte an der Bayerischen und der Wiener Staatsoper, der Covent Garden Opera sowie dem Teatro Colón in Buenos Aires. Ihr Repertoire umfasste an die 35 Opern- und Operettenpartien, dazu die Sopran-Parts in vielen Oratorien und symphonischen Werke.

          Sie gehörte nicht zum Typus jener „zwitschernden“ Soprane, welche die höchsten Töne mit dem fahl klingenden Pfeifregister bilden, wo die Stimmlippen nicht vollständig schwingen. Denn die zweite Sonderzuteilung, mit der die Natur sie bedacht hatte, war ein distinktes Timbre auch mit dunkleren Farben und einem vollen Klang – zu bewundern, wenn sie etwa die endlose Koloratur in der „Martern“-Arie der Konstanze über einen Umfang vom tiefen D bis zum hohen D – „Des Himmels Segen belohne dich“ – mit ausgeglichen vollem Klang durchmisst. Es mag an der Ausbildungs-Tradition gelegen haben, dass sie in einigen italienischen Arie der Rosina („Il Barbiere“), Musetta („La Bohème“) Gilda („Rigoletto“) dazu neigte, Hauptnoten zu akzentuieren und Nebennoten – auf Kosten der melodischen Spannung – klanglich ein wenig zu vernachlässigen. Umso überzeugender sind ihre farblichen Valeurs in französischen Arien: sei es der „Ophelia“ aus dem „Hamlet“ von Ambroise Thomas oder dem Walzerlied der Juliette aus der Oper von Charles Gounod.

          Nach ihrer früh beendeten Bühnenkarriere arbeitete sie von 1975 bis 1997 als Gesangspädagogin an der Musikhochschule in Stuttgart, zwischen 1986 bis 1991 als Leiterin der Meisterklasse am Konservatorium in Zürich. Über ihre Laufbahn und ihre oft trüben Erfahrungen mit dem Musikbetrieb hat sie ein von schönenden Erinnerungen freies, oft auch kritisches Buch geschrieben: „Die Königin der Koloratur“. Es sei wiederholt: Sie war mehr. Am 15. Dezember ist Sylvia Geszty mit 84 Jahren gestorben.

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