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Zum Tod der Schauspielerin : Das Seelenlächeln der Doris Schade

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Ist stets als leuchtende Kraft aufgefallen: Doris Schade Bild: dapd

Ob Königin, Revolutionswitwe oder Dienerin: Um die Theater-Schauspielerin Doris Schade war stets ein Zug von eleganter Mokanz. Ihre Rollen nahm sie in einer Größenmischung aus Geschmack und Chuzpe in Besitz.

          Ob sie Königinnen (Elisabeth in „Maria Stuart“), ob sie Revolutionswitwen (Julie in „Danton“), ob sie Mütter (in „Emilia Galotti“, „Die Ratten), ob sie Dienerinnen (Fräulein Fröhlich in Bernhards „Präsident“, Maria in „Was ihr wollt“), ob sie Lebenslügnerinnen (Ranjewskaja im „Kirschgarten“), ob sie eine heidnisch raunende Alte (in García Lorcas „Yerma“) oder eine christlich brennende Junge (Isabella in „Maß für Maß“) spielte - stets war, in groß tragischen (Desdomona im „Othello“) wie grob komischen (Marthe Rull im „Zerbrochnen Krug“) Rollen ein Zug von eleganter Mokanz um sie.

          Die Schauspielerin Doris Schade, schon von Statur und Aussehen eine damenhaft blühende, im Kern strahlende Erscheinung, schien auch noch ihre abgründigsten Szenen souverän zu überlächeln. Unvergessen, wie sie als Frau Alving 1977 in Ibsens „Gespenstern“ im Hamburger Schauspielhaus unter Luc Bondys Regie allein mit dem ironisch sehnsüchtigen Fingerspiel, das sie mit ihrer Brille veranstaltete, die verdrängte Liebesgeschichte mit dem Pastor Manders des Hans Michael Rehberg zu einem kleinen Seelentotentanz machte, linker Hand, ganz leicht.

          Und ihr Schrei: „Kopf ab!“ als Spielkartenkönigin in Zadeks „Alice im Wunderland“-Revue, 1996 in den Münchner Kammerspielen, war so urkomisch-eiskalt wie federnd-geschmackvoll. Weder ging sie ihre Rollen frontal an, noch stürzte sie sich in sie. Umkreiste sie auch nicht distanziert. Sie näherte sich ihnen gleichsam von der Seite her und nahm sie mit der ihr eigenen Größenmischung aus Geschmack und Chuzpe in Besitz. Im Schmutz der Tragödie wie im Glanz der Komödie (und umgekehrt): mit einem Lächeln, wenn nicht auf den Lippen, so doch in der Seele. Und mit dem sonor vibrierenden reifen Alt-Timbre einer Frau, der das Leben nichts mehr vormachen kann.

          Die aus Frankenhausen in Thüringen gebürtige Darstellungskünstlerin, aufgewachsen in der Sowjetunion und in Japan, kam über Leipzig, Bremen, Osnabrück und Nürnberg nach Frankfurt, wo sie im Buckwitz-Ensemble als junge, leuchtende Kraft auffiel, wechselte 1961 an die Münchner Kammerspiele, denen sie mit Hamburger Unterbrechungen bis zu ihrem Tod treu blieb.

          Sie gab in Jürgen Dorns Ensemble, das bis in Nebenrollen hinein aus lauter Juwelen bestand, das dunkelhell funkelnde Damen-Juwel. Sie hat neben Dorn die Großen unter den Regisseuren, Kortner, Lietzau, Bondy, Zadek, Tabori mit ihrem ganz eigenen Glanz beschenkt. Jetzt ist Doris Schade im Alter von achtundachtzig Jahren in München gestorben.

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