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Erstes Mozart-Festival in Kuba : Wolgang Amadeus lebt im Hinterhof

Im potemkischen Dorf muss das „Gratias“ mit der Axt gehauen werden: Die frisch renovierte Plaza Vieja Bild: Alex Hoerner

In Havanna gab es gerade das erste kubanische Mozart-Festival. Nirgends passt Musik, die eine Ahnung von einem lichteren, besseren Leben gibt, besser hin – es war zum Staunen und zum Weinen. Und sein Name steht fast vollständig am Denkmal.

          Nach wie vor heißt eine der stärksten Marken, die Österreich exportieren kann, Wolfgang Amadeus Mozart. Auch auf Kuba steht jetzt ein Mozart-Denkmal herum, schon seit acht Jahren, gebildhauert von Anton Thuswaldner aus Kaprun, importiert von der Stiftung Mozarteum Salzburg, eingeweiht vom österreichischen Botschafter. Es ist gut versteckt, es wird scharf bewacht. Nur mit Glück kommt man als Individuum, außerhalb der geführten Gruppe, an der uniformierten Türsteherin vorbei.

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mozart in Havanna wohnt, zusammen mit ein paar glücklichen Echsen und Katzen, in einem eigens begrünten Hinterhof, direkt gegenüber dem Eingang zur Basílica San Francisco de Asís, Baujahr 1739, die so dicht am historischen Hafen liegt, dass ihre Apsis eines Tages von einem Hurrikan angeknabbert wurde, was man heute noch erkennen kann. Mozart dagegen würde man nicht unbedingt als Mozart erkennen, stünde nicht der fast vollständige Name auf dem Schild daneben: „Wolgang Amadeus Mozart“. Bislang gab es keinen Grund, das Schild zu korrigieren. Den meisten Kubanern fällt der Fehler sowieso nicht auf, und sie haben auch wahrlich andere Sorgen.

          Die stärksten Marken, die diese Insel bislang exportiert hatte, also Zucker, Rum, Zigarren sowie, nach Abschaffung der Sklaverei, der Rhythmus der afrokubanischen Trommel, die mollschwangeren Revolutionslieder, die unverwüstliche kubanische Lebensfreude und der Geschichtsoptimismus, das alles bröselt gerade weg. Rhythmus und Optimismus befeuern zwar immer noch weltweit Clubs und Bars, Filme und Romane sowie Tonkonserven. Auf Kuba selbst gehen, ein Vierteljahrhundert nach dem Ableben des großen Bruders UdSSR, doch allmählich die Ressourcen dafür aus. Außerhalb Kubas ist Kuba immer noch ein Arkadien, Fluchtpunkt romantischer Sehnsucht. Und, ja, möglicherweise gibt es ein ganz anderes Leben draußen auf dem Lande, in den Provinzen, im malerischen Vale de Vinales oder auf der Sierra Maestra oder auch an den langen, weißen Stränden: lebendiger, beweglicher, heller. Aber da waren wir nicht. Wir waren nur im alten Herzen Kubas, in der Hauptstadt Havanna.

          Zum Träumen schön

          Wir: Wir sind die Bringer Mozarts. Eine kleine Gruppe, zusammengesetzt aus Musikfreunden, Musikern und Musikkritikern, ausgesandt vom Mozarteum Salzburg, um gemeinsam mit den Kubanern das erste kubanische Mozart-Fest der Musikgeschichte zu feiern.

          Havanna hat sich verwandelt in eine Stadt der Phantomschmerzen. Welthauptstadt des Stillstands, des Schimmels, der doppelten Währung und dreifachen Buchführung, des rasenden Zerfalls und sporadischen Stromausfalls.

          Lustige Oldtimer und bunte Huren kann man zwar noch immer finden. Der asymmetrische Platz vor der Basílica San Francisco, mit den Cafés, dem Löwenbrunnen und dem restaurierten Terminal, ist wirklich zum Träumen schön. Und der Malecón, die endlose Uferpromenade, wird immer noch nächtens zur Partymeile der Jugend, die sich dort in unfassbaren Massen versammelt. Ist das eine Art Demonstration? Wollen alle Habaneros unter zwanzig, die da, weitgehend alkoholfrei, jede Nacht bis in die frühen Morgenstunden sehnsüchtig auf Mutter Meer hinausschauen, einfach nur noch weg?

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