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Zum Siebzigsten von Justus Frantz : Musik muss man möglich machen

  • -Aktualisiert am

Am Flügel zu Hause: Justus Frantz im Mai 2009 Bild: dpa

Er gründete das „Schleswig-Holstein Musik Festival“ und konnte Leonard Bernstein dafür begeistern. Hinter seinem Wirken als Musikmanager trat das als Musiker mitunter in den Hintergrund. Dem Pianisten, Dirigenten und Organisator Justus Frantz zum Siebzigsten.

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          Was hat man für flotte „Berufsbezeichnungen“ für ihn erdacht! Zum Beispiel „Staubaufwirbler“ oder „Frantzdampf in allen Gassen“. Schon netter klingt „Weltkind“ oder „Der Standhafte“. „Musikgenie“ wirkt etwas hypertroph, also kehrt man am besten zum Sachlichen zurück: Justus Frantz, deutscher Pianist, Dirigent und Musikmanager. Das bedeutet aber nicht, dass die Titulierungen allesamt falsch wären: Wer eine große Vision in die Wirklichkeit umsetzen will, muss schon ein Aufwirbler sein! Frantz, 1944 in Hohensalza (heute: Inowrocław) geboren, aber im holsteinischen Tesdorf aufgewachsen, wohin die Mutter mit ihren Kindern geflüchtet war, fand eines Tages, dass dem schönen Land Schleswig-Holstein etwas fehle: ein Musikfestspiel.

          Mit Leonard Bernstein im August 1995
          Mit Leonard Bernstein im August 1995 : Bild: picture-alliance / dpa

          Es war die Geburtsstunde des „Schleswig-Holstein Musik Festivals“. Rasch geriet das „SHMF“ zum großen Erfolg. Kein Geringerer als Leonard Bernstein begeisterte sich für Land und Leute, für die wunderbaren Spielorte in Schlössern, Herrensitzen und alten Scheunen, die erst einmal vor dem Zerfall gerettet werden mussten.

          Man muss ihm danken

          Frantz kam zugute, dass er als international auftretender Pianist viele bedeutende Künstler persönlich kannte, und Bernstein erwies sich dabei als Joker. Wo er erschien, strömten die besten Musiker herbei, um unter ihm im Festspielorchester zu spielen. Einige Sommer lang durfte sich Frantz im Erfolg sonnen. Doch kann der erfolgreichste Musikermöglicher nicht in Ruhe wirken, wenn es bösen Politikern nicht gefällt. Frantz geriet in die Kritik, oft ungerecht, bis er hinwarf. Oder auch: hingeworfen wurde.

          Herzlichen Glückwunsch: Familienfoto am vierten Geburtstag des Sohnes Justus Konstantin im Januar 2009
          Herzlichen Glückwunsch: Familienfoto am vierten Geburtstag des Sohnes Justus Konstantin im Januar 2009 : Bild: picture-alliance/ dpa

          Der Musikmanager hat den Pianisten Justus Frantz zeitweilig ins zweite Glied versetzt. Frantz, in Hamburg bei Eliza Hansen ausgebildet, bewundert Kollegen wie Richter und Serkin als Vorbilder. Ein klavieristischer Tüftler ist er selbst nie gewesen. Aber er hatte stets den richtigen Riecher für effektvolle Auftritte: Wenn er etwa zusammen mit seinem Studien- und Duo-Kollegen Christoph Eschenbach und Kanzler Helmut Schmidt Mozarts Konzert für drei Klaviere spielte. Zu seinem siebzigsten Geburtstag an diesem Sonntag muss man ihm freilich für seinen unentwegten Dienst an der Musik danken.

          In einer Zeit, in der das tradierte Musikleben vielerorts schleichender Erosion ausgesetzt ist, gewinnt eine Persönlichkeit wie Justus Frantz eine neue Bedeutung: für die Musik und die Menschen, die Musik in ihrem Leben für unverzichtbar halten.

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