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Leopold Mozart wird 300 : Ein Mann von Geist und weltgewandt

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Leopold Mozart (rechts) mit seinen Kindern Wolfgang Amadeus Mozart und Maria Anna sowie einem Porträt seiner Ehefrau Anna Maria. Gemälde von Johann Nepomuk della Croce aus dem Jahr 1780. Bild: ddp

Aufklärer, Geiger, Komponist, Manager, Vater und Großvater: Vor dreihundert Jahren wurde Leopold Mozart geboren. Als Figur eigenen Ranges wird er jetzt deutlicher sichtbar.

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          Szene in einem Salzburger Haus: Es ist dunkel, ein anderthalb Jahre alter Junge läuft auf den Großvater zu. Er erkennt ihn an der Stimme, kann aber das Gesicht nicht sehen. So betastet er es gründlich, sehr zur Freude des Alten, der kurz darauf an die Mutter des Kleinen schreibt: „Der Leopold ist charmante! Ich habe ihn frisch und gesund angetroffen, und da kein Liecht im Zimmer war, als ich kamm, so hat er mir das ganze Gesicht abgegriffen, weil er meine Stimme kannte.“

          Der verliebte Großvater ist Leopold Mozart, seit acht Jahren Witwer, Vater des musikalischen Wunderkindes und nunmehr berühmten Komponisten Wolfgang und der hochbegabten Maria Anna, genannt Nannerl. Der charmante Leopold, Sohn Nannerls, lebt beim Großvater und wird von ihm durch die ersten Kinderkrankheiten gebracht. An die Tochter, die mit Mann und Stiefkindern im benachbarten St. Gilgen lebt, schreibt Leopold senior 1786: „Damit du meine ganze gesinnung weist, so sage ich dir, daß ich den Leopoldl, so lang ich lebe, bey mir behalten werde“. Er mag geahnt haben, dass dieser erstaunliche Entschluss schon bald von höherer Stelle aufgelöst werden würde; ein Jahr später stirbt Leopold Mozart, siebenundsechzig Jahre alt, in Salzburg.

          Anlässlich der Wiederkehr seines Geburtstags heute vor dreihundert Jahren scheint eine Würdigung dieses berühmten Vaters angezeigt, von dem wir trotz aller Mozart-Bücher und -Filme eine eher undeutliche Vorstellung haben. Johann Georg Leopold Mozart, geboren am 14. November 1719, erhielt an seinem Geburtsort, der Freien Reichsstadt Augsburg, viele geistige Anregungen. Der Vater war selbständiger Buchbindermeister und hatte den Willen, seinen Söhnen – Leopold war der Erstgeborene – eine anspruchsvolle Ausbildung zu bieten. Am Jesuiten-Gymnasium St. Salvator lernte der Junge neben dem Katechismus Latein, Rhetorik, Philosophie, Geschichte, Geographie, Mathematik und wurde früh ins Schultheater eingebunden, eine Spezialität jesuitischer Schulen. In der Basilika St. Ulrich und Afra sang er und „schlug“ die Orgel.

          Der frühe Tod des Vaters zwang ihn, Augsburg zu verlassen. An der Benediktineruniversität Salzburg wurde er nach drei Semestern wegen Nichterscheinens exmatrikuliert. Trieb er stattdessen musikalische Studien? Man weiß es nicht; dokumentiert ist sein Eintritt in das Haus des Domherrn Johann Baptist von Thurn-Valassina und Taxis als Kammerdiener und Violinist. Damit öffnete sich ihm die höfische Welt; hier lernte er, der zeitlebens eine tiefe Abneigung gegen Standesdünkel hegte, diplomatischen Schliff und Weltläufigkeit. Seine spätere Bibliothek, die momentan in einer Sonderausstellung im Mozart-Wohnhaus am Salzburger Makartplatz gezeigt wird, enthält Schlüsselschriften der europäischen Aufklärung und Zivilisationskritik, darunter den Roman „Émile“ von Jean-Jacques Rousseau.

          Mit der Anstellung 1744 als Violinist in der Salzburger Hofkapelle wurde die Musik zum Lebensschwerpunkt; in den folgenden zwei Jahrzehnten komponierte er Kammermusik, Sinfonien, Lieder, Messen. Hört man in die Missa solemnis, Werkverzeichnis LMV I:C2, hinein (eine aktuelle CD-Aufnahme erschien bei Aparté), so begegnet einem ein frischer, lebhafter Stil, der durch große, leuchtende Chorgesten einerseits und melodiös ansprechende Arien alla italiana andrerseits besticht. Solo-Instrumente tragen zum musikalischen Reichtum bei, vor allem für die warmen Töne der Hörner hat Mozart eine Vorliebe. Leidenschaftliche Diesseitigkeit verströmt seine „Neue Lambacher Sinfonie“, die in Einspielungen des L’Orfeo Barockorchesters unter Michi Gaigg (cpo) und des Bayerischen Kammerorchesters unter Reinhard Goebel (Oehms) vorliegt. Hier scheint die Anmut höfischer Tanzcharaktere vorrevolutionär zu erbeben – durch einen bedrohlich metallischen Hörnerklang, wie man ihn bei den Tagen Alter Musik in Regensburg erleben konnte.

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