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Zürcher Theater Spektakel : Das Böse im Mann bekämpfen

  • -Aktualisiert am

Im Kostüm des Gegners: Die Frauentruppe von Phia Ménard kämpft in Kriegsbemalung gegen das Patriarchat. Bild: Jean-Luc Beaujault

Dieses Volksfest macht Avantgarde populär: Das Zürcher Theater Spektakel zeigt Kunst aus dem globalen Süden und kombiniert Ästhetik mit politischer Debatte.

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          Am Ufer des Zürichsees, entlang des Mythenquais bis hin zur Werft der Zürcher Schifffahrtsgesellschaft, erstreckt sich die Landiwiese. Wo im Hintergrund Stand-up-Paddler und Segelschiffe vorbeiziehen und der Blick bis in die Alpen reicht, findet derzeit zum vierzigsten Mal das „Zürcher Theater Spektakel“ statt, das hier liebevoll „Speki“ genannt wird. Was als spontane Zusammenkunft internationaler Künstler zirkusartig mit drei Zelten als Spielorten nebst Restaurant vor vierzig Jahren begann, ist längst ein etabliertes Festival, das sich den Charme der Improvisation und Spontaneität bewahren konnte.

          Corinne Mauch, Zürichs Stadtpräsidentin, zitierte am vergangenen Samstag bei ihrer Festrede auf der Saffa-Insel eine Besucherin der ersten Stunde: „Am Anfang gab’s Sumpf und viel Regen.“ Der Regen, stellt man dieser Tage fest, ist geblieben. Abgesehen davon hat sich einiges getan. Schon voriges Jahr hatte ein Deutscher die künstlerische Leitung des Festivals übernommen: Matthias von Hartz, der bis 2016 das Festival „Foreign Affairs“ der Berliner Festspiele kuratierte. Mit vierzig Produktionen an dreizehn Spielorten bietet das „Speki“ ein breites, dabei mit Juwelen bestücktes Programm.

          Von Hartz, der auf dem weitläufigen Festivalgelände von einem Veranstaltungsort zum anderen radelt, sagt, er sei positiv überrascht vom Zürcher Publikum. Es kämen täglich zwei- bis viertausend Besucher, davon könne manches Theater-Event in Deutschland nur träumen. Selbst beim täglichen Aufwärmtraining des Tanzchoreographen Boris Charmatz machen die Züricher mit – ähnlich wie vor zwei Jahren die Berliner in Tempelhof (F.A.Z. vom 12. September 2017). Vorigen Samstag folgte auf das Aufwärmen eine dreistündige Performance von insgesamt zwanzig von Charmatz ausgewählten Tänzern, die, über die Landiwiese verteilt, Solos aus dem vergangenen Jahrhundert tanzten. „20 danseurs pour le XXème siècle“ nannte sich das Projekt mit vielen Größen der internationalen Tanzszene.

          Die Landiwiese am Ufer des Zürichsee ist seit 40 Jahren Spielort des Theater Spektakels.

          Das Festival wirkt auf den ersten Blick wie ein Volksfest. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man, dass hier avantgardistische Kunst geboten wird, die man sonst eher in Avignon oder auf der Documenta findet. Beispielsweise von der französischen Performancekünstlerin Phia Ménard, die mit ihrem Stück „Saison Sèche“, das letztes Jahr in Avignon Premiere hatte, die Zuschauer in der Werft begeisterte.

          Die Feministin Ménard, die ihre Karriere als Zirkusartistin begann, ließ ihre ausschließlich weibliche Truppe mit clownesken Pantomimen das Patriarchat parodieren. Als Regisseurin veranstaltete Ménard auf der Bühne eine regelrechte Explosion dickflüssiger Farben, mit denen die nackten Schauspielerinnen sich Zeichen auf die Körper strichen, die an eine Kriegsbemalung erinnerten. Der Gegner in diesem Kampf waren der Machismo, sexuelle Gewalt und Erniedrigung, was die später als Männer verkleideten Frauen sehr expressiv und ohne Scheu vor Vulgaritäten ausagierten.

          Bevor sich die Darstellerinnen in „Saison Sèche“ als Männer verkleiden, beschmieren sie Gesicht und Körper im Stile einer Kriegsbemalung.

          Auf den Wiesen des Theater Spektakels tummeln sich währenddessen Kinder mit ihren Eltern. Kindern dürfte die Landiwiese wie ein farbenfroher Lunapark erscheinen: Pantomime-Künstler treten auf, Zauberer und Clowns bringen sie zum Staunen, Ballon-Künstler formen Tiere und Hüte. Es ist ein rührendes Fest, das Zürich von einer unerwarteten Seite zeigt.

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