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York Höller zum 70. : Ein Kosmos aus Klanggestalten

  • -Aktualisiert am

York Höller Bild: ullstein bild

Er lernte bei Stockhausen und Boulez - sein Werk macht sich zwischen Tradition und Elektronik selbständig. Zum 70. Geburtstag des Komponisten York Höller.

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          Zemlinski kann warten, sagte Schönberg einmal über den zunächst wenig beachteten Komponisten. Man möchte das Zitat übernehmen: auch York Höller kann warten, obwohl der in Leverkusen-Schlebusch geborene Hans Georg Höller (so der urkundliche Name) in der Welt der neuen Musik hohe Achtung genießt. „Er ist einer der wenigen Komponisten, die meine höchste Wertschätzung haben“ - das sagte kein Geringerer als Pierre Boulez.

          Gleichwohl dauerte es mehr als zwanzig Jahre, bis Höllers einzige Oper, die 1989 in Paris uraufgeführte Bulgakow-Adaption von „Der Meister und Margarita“, die zwei Jahre später in Köln ihre deutsche Erstaufführung erlebte, jetzt erst ihre dritte szenische Realisierung an der Hamburgischen Staatsoper erfuhr, an der ursprünglich einmal die Uraufführung stattfinden sollte, die jedoch an Querelen auf der Intendantenetage scheiterte.

          Zurück zur Gregorianik

          In Hamburg wurde kürzlich auch Höllers Cellokonzert in der NDR-Reihe „das neue werk“ uraufgeführt, auf dem Programm stand zugleich der Zyklus „Sphären“ für großes Orchester. Es scheint so, als würde der Eintritt ins biblische Alter für York Höller eine neue Jugend bedeuten - sein Werkverzeichnis bietet in Umfang und Qualität hinreichend Material für mehrere Höller-Festivals.

          Er gehört zu jener Komponistengeneration, die in den sechziger Jahren immer nachdrücklicher in die Entwicklungen der Neuen Musik eintrat, diese reflektierte und zu einem eigenen Personalstil ausformte. Seine Lehrmeister trugen und tragen berühmte Namen: in Köln studierte er bei B. A. Zimmermann und dem „Elektroniker“ Herbert Eimert sowie bei Stockhausen. Und in Paris orientierte er sich bei Boulez über das serielle Musikdenken.

          Ausführliche Beschäftigung mit Fragen der Kommunikation, den Erkenntnissen der Informations- und Gestalttheorie, mit biologischen Phänomenen sowie, im Rückgriff, auf melodische Formeln der Gregorianik führten zum Entwurf einer „Gestalt-Komposition“, die fortan für Höllers Komponieren bestimmend wurde.

          Elektronik und Tradition

          Er hat sich selbst dazu geäußert: „Das Kunstwerk erscheint in erster Linie als Organismus, als organisch-energetisches System, vergleichbar einem lebendigen Organismus in der Natur . . . alle Bestandteile sind funktionell aufeinander bezogen, sind nicht Ergebnis einer willkürlichen Setzung, sondern eines Entwicklungsprozesses“.

          Höllers Musikdenken, das man auch als „Klangdenken“ bezeichnen kann, führte fast zwingend zu einem quasi historischen Werkbegriff zurück. Mit Restauration hat das nichts gemein. Höllers Klanggestalten, die seinen Werken zugrundeliegen, erwachsen aus den unterschiedlichsten Klangmöglichkeiten der Moderne einschließlich der elektronischen Musik, die der Komponist am Pariser Ircam sowie im Kölner WDR-Studio studieren konnte.

          Die großen Klangerweiterungen der Elektronik werden jedoch nahtlos mit den tradierten instrumentalen Klangerzeugern verschmolzen zu einer oft hochexpressiven Musik, in der auch das aufscheint, was man heute oft vermisst und was für jede große Musik doch essentiell ist: Transzendenz. In York Höllers „Klanggestalten“ entfaltet die Musik diese oft schon verloren geglaubte Spiritualität. Dafür ist man dem Komponisten, der am 11. Januar seinen siebzigsten Geburtstag feiern kann, zutiefst dankbar.

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