https://www.faz.net/-gqz-9wp6v

Ben Becker im Admiralspalast : Kafka und Engels auf dem Broadway

  • -Aktualisiert am

Ein Star, der sein Leben in die Waagschale wirft – und die Fans lieben ihn dafür: Ben Becker in Berlin Bild: dpa

Die alte Sehnsucht nach dem Volksschauspieler: Warum Ben Becker von seinen Fans so sehr geliebt wird, zeigt sein Soloabend „Affe“ in Berlins Admiralspalast.

          3 Min.

          Die Pressekonferenz hatte im Affenhaus stattgefunden. Vor den Gorillakäfigen gab Ben Becker freimütig Auskunft über seine Sicht auf die Welt und seine Bewohner. Gott, beziehungsweise der Verrat an ihm, das war ja das Thema seiner letzten Tournee-Show gewesen („Ich, Judas“), jetzt musste also folgerichtig die Welt drankommen, über die wolle er etwas sagen, „naiv natürlich, als Künstler“, so kündigte er seinen neuen, vom Berliner Boulevard mit Spannung erwarteten Auftritt an. Und da er tief in seinem Herzen, „immer noch Kommunist“ sei – als Showproduzent und Barbesitzer musste Becker kurz nachschieben: „nicht im realen, sondern im ideellen Sinne“ –, habe er vor, ein philosophisches Fragment von Friedrich Engels über den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ auf die Bühne zu bringen, gepaart mit Franz Kafkas Zivilisationssatire „Bericht für eine Akademie“.

          Zum „Affen“ würde Ben Becker sich also machen, so viel wurde klar, um auf das Unrecht in unserer Gesellschaft hinzuweisen, die Dialektik des Fortschritts, auf Greta, den Tierschutz, womöglich das ganze verbrecherische Kapitalsystem. Im Affenzahn die Verhältnisse umdrehen: Es isst der Mensch, es frisst das Pferd, doch meistens ist es umgekehrt.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ungebrochene Nachfrage: Ein Kurier liefert in New York City Amazon-Pakete aus.

          Der Gigant und die Krise : „Amazon ist fast schon systemrelevant“

          Die Handelsplattform versorgt die Kunden in Corona-Zeiten mit dem Wichtigsten und baut ihre Marktanteile aus. Doch das Wachstum bringt auch Probleme mit sich. Noch ist nicht klar, wie der Onlinehandel nach der Krise aussehen wird.