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Claus Peymann spielt Bernhard : Wer steht hier in kurzen Hosen da?

  • -Aktualisiert am

Wien-Rückkehrer: Hermann Beil und Claus Peymann Bild: Moritz Schell

Die Österreich-Beschimpfung als Österreich-Komödie: Claus Peymann und Hermann Beil spielen Thomas Bernhard am Theater in der Josefstadt.

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          Nein, ein Schauspieler wird aus Claus Peymann sicherlich nicht mehr. Dennoch tingeln er und sein ehemaliger Dramaturg Hermann Beil seit beinahe zwei Jahrzehnten immer wieder mit einigen Dramoletten von Thomas Bernhard durch die Lande. Jetzt also – wer mag sich nach den jüngsten Inszenierungen für Wiens Theater in der Josefstadt darüber noch wundern? –, an ebendieser Bühne. „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“, der Titel des mittleren der (drei) Dramolette, gibt dem Abend den Namen. Es handelt sich eher um eine szenische Lesung als um ein Schau-Spiel, unterstützt werden die beiden älteren Herren von Maria Happel, seit Peymanns Zeiten festes Ensemblemitglied am Burgtheater, was erfreulicherweise eher auf Zusammenarbeit der großen Wiener Theater denn auf Konkurrenz hindeutet.

          In schwarzem Frack (sogar mit Zylinder, den sie aber bald ablegt; die Kostüme entwarf Wicke Naujoks) liest sie Zwischentexte und Regieanweisungen vom Bühnenrand, zupft auch den weißen Vorhang der kleinen, zentral aufgestellten Spielbühne zurecht und kann sich, zumindest am Premierenabend, einige Kommentare nicht verkneifen. Sie selbst, beide Herren auf der Bühne und das Saalpublikum sind amüsiert – zu Recht! Damit ist Happel zur wohl bedeutendsten Ergänzung dieser Produktion geworden, die bereits 2006 bei den Wiener Festwochen zu sehen war. Ansonsten wird viel geschwurbelt und hemmungslos outriert, vor allem von Claus Peymann.

          Meist nicht sehr originell

          In der ersten Szene – auf der einst vom mittlerweile verstorbenen Karl-Ernst Herrmann entworfenen Kleinbühne ist im Hintergrund, perspektivisch extrem verniedlicht, ein Fördergerüst als Symbol für das Ruhrgebiet zu erkennen – packt Hermann Beil in der Rolle von Fräulein Schneider die Koffer. Christiane Schneider war bis 1986 tatsächlich Peymanns Sekretärin in Bochum und ging dann mit ans Burgtheater.

          Mittlerweile leitet sie den Suhrkamp Theater Verlag in Berlin. Nun, diese Szene, das erste Dramolett, heißt ja „Claus Peymann verläßt Bochum und geht als Burgtheaterdirektor nach Wien“. Die wiederum für Bernhard-Texte typischen, meist nicht sehr originellen Wiederholungen – Worte, Sätze, ganze Szenen – stören heute nicht extrem.

          Die beste Shakespeare-Komödie

          In Österreich ist eine Regierungskrise durch den Rücktritt des Kanzlers Kurz gerade noch so abgewendet worden. Wie gut passt da, auch wenn es garantiert nicht so geplant war, der titelgebende Mittelteil des Abends über Hosenkauf und Rindssuppenverzehr. Thomas Bernhard, von Hermann Beil mit reizend-lächerlichem Filzhut verkörpert, im Hintergrund das Riesenrad aus dem Prater, beschimpft beim Mittagsmahl in einem Wiener Nobelrestaurant alle übrigen Anwesenden entweder als „Nazis“ oder als „Dummköpfe“. Als auch der „Bundeskanzler – ein Dummkopf“ – erwähnt wird und Claus Peymann dabei verschmitzt-verschwörerisch ins Publikum zwinkert, brandet doch tatsächlich Szenenapplaus auf. Mit einem hat Thomas Bernhard da also gewiss nicht ganz falsch gelegen, obwohl er, bei all seiner Hassliebe auf seine Heimat, nicht mit Kurz und Konsorten rechnen konnte: Österreich ist wirklich die beste Shakespearekomödie, die Bernhard nie geschrieben hat.

          Zwischen Bochum und Wien wagt der erstaunlich munter wirkende Peymann dann gar ein paar Walzerschritte mit Maria Happel. Nein, auch Tänzer wird aus Claus Peymann sicher keiner mehr. Wer aber nicht unter Thomas-Bernhard-Tiraden und -Repetitionen allzu sehr leidet, sich eventuell sogar noch an Peymanns Burgtheaterdirektionszeit erinnern kann, wird an diesem Dramolettabend in der Josefstadt garantiert große Freude empfinden.

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