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Wiener Volkstheater : Was für eine irre Weltuntergangskomödie

  • -Aktualisiert am

Gleich knallt es: Das Wiener Volkstheater lässt’s noch einmal krachen. Bild: Birgit Hupfeld

Österreich übt schon mal: Kay Voges inszeniert „Apokalypse MIAU“ am Wiener Volkstheater als Preisverleihungsfarce mit Asteroideneinschlag.

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          Beim heurigen Nestroy-Theaterpreis hat das Wiener Volkstheater abgeräumt – beste deutschsprachige Aufführung, beste Regie: Claudia Bauer, bester Schauspieler: Samouil Stoyanov und auch noch beste Nebenrolle: Elias Eilinghoff. Die Nominierungen waren freilich schon länger bekannt, und offenbar lag es da für Direktor Kay Voges nahe, eine Spaßproduktion über Theaterpreisverleihungen im Allgemeinen anzudenken. Also schrieb Kristof Magnusson zusammen mit Gunnar Klack „Apokalypse MIAU. Eine Weltuntergangskomödie“, die nun in der Regie von Voges ihre Uraufführung feierte.

          Man erkennt sofort, dass viel Mühe investiert wurde, um das Stück möglichst wientauglich zu machen. So wurde aus dem „Nestroy-Preis“ der „Destroy-Preis“, also quasi eine Zerstörungs-Auszeichnung, was wieder zur Weltuntergangsthematik passt und selbstmurmelnd Wiens Ruf als Stadt mit einem besonderen Bezug zum Tod unterstreicht. In dem von Michael Sieberock-Serafimowitsch entworfenen Bühnenbild schaut man im Hintergrund aus einem riesigen Panoramafenster auf ein wohl in der nahen Zukunft angesiedeltes Wien, wo gruselige, von den üblichen verdächtigen Sponsoren erbaute Hochhäuser die Szenerie verunstalten. Zu solchen Bebauungsplänen laufen übrigens in Wien momentan Gerichtsverfahren.

          Während nun die Preisverleihung vor dem Vorhang von Bonnie van Klompp moderiert wird, in welcher Rolle Evi Kehrstephan bewundernswert leichtfüßig aufgeht und zwischen einem holländischen Akzent und Hochdeutsch dann im Aufenthaltsraum ständig wechselt, darf das Publikum einmal sehen, was sozusagen hinter den Kulissen, eben in jenem die Bühne ausfüllenden Aufenthaltsraum mit Panoramafenster, abgeht.

          Bemerkenswerter Aufwand

          Da plaudern, streiten, solidarisieren sich, beflegeln einander in diversen Kategorien Nominierte, dass es eine wahre Freud’ ist. Etwa der alte Regiefuchs Wenjamin Olinde mit seiner früheren Regieassistentin Meta Gleiberg. Mona Ulrich, zuständig für die Kostüme, hat Andreas Beck in einen dunklen Anzug mit knallrotem Schal gesteckt, was frappant an die öffentlichen Auftritte von Paulus Manker erinnert. Die Gleiberg wird von Anke ­Zillich in einem mit pseudofröhlichen schwarzen Karikaturen verzierten, weißen Anzug gegeben, philosophiert viel über versäumte Gelegenheiten zum „feministischen Protest“ oder zu sexistischem Verhalten aller Männer. Und so geht es weiter. Insgesamt hauen an diesem Abend acht Charaktere sowie zwei Teletubbies einander ständig Vorwürfe um die Ohren, die aber freilich alle nur unterstützend gemeint sind, wie denn auch sonst. Bis der Asteroid einschlägt. Dann ist Pause, und danach wird es richtig wirr.

          Und - Action: Szene aus der Aufführung.
          Und - Action: Szene aus der Aufführung. : Bild: Birgit Hupfeld

          Bemerkenswert auch hier der Aufwand – der Aufenthaltsraum ist jetzt ein Trümmerfeld, das Ensemble steckt in ziemlich verdreckten, zerstörten Kleidern. Doch man streitet weiter, ungefähr die Hälfte der Leute wird umgebracht (oder „verunfallt“), und die übrigen werden von einem durch den Asteroidenabsturz entstandenen schwarzen Loch eingesaugt. Man muss freilich anmerken, dass die knapp drei Stunden Spielzeit sich viel länger anfühlen, die Rollen bloß Klischeebilder sind und die Handlung insgesamt doch etwas beliebig bleibt. Das Premierenpublikum hat dennoch viel gelacht und großen Beifall gespendet. Das Ensemble hat es verdient, das Stück selbst eher nicht.

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