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200 Jahre Oper „Der Freischütz“ : Die Empörung des Textdichters

  • -Aktualisiert am

Seit 200 Jahren auf der Bühne: Der Freischütz wird auch heute noch regelmäßig aufgeführt. Bild: Julien Benhamou

Vor zweihundert Jahren kam die erfolgreichste deutsche Oper auf die Bühne: „Der Freischütz“. Sie machte ihren Komponisten reich und berühmt, seinem Librettisten dagegen blieb nur eine kümmerliche Abschlagzahlung.

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          Wenn man es recht bedenkt, könnte sich der Dichter Johann Friedrich Kind (1768 bis 1843) bequem im Literatenhimmel zurücklehnen. Für seinen ewigen Ruhm ist gesorgt. In den Jahren seiner höchsten Schaffenskraft berühmt und einflussreich, zumindest bei seinen freundschaftlich verbundenen Dichterkollegen des Dresdner Liederkreises, musste er zwar in den letzten Jahren vor seinem Tod hinnehmen, dass er vom Buchmarkt vergessen war – als er starb, erschienen nur zwei magere Nachrufe, und die waren von seiner Tochter veranlasst –, aber er hatte das Libretto zum „Freischütz“ von Carl Maria von Weber geschrieben, der landauf, landab bejubelten ersten deutschen Nationaloper.

          Sie war ein Erfolg sondergleichen, der auf vielfältige Weise mit dem neu erwachten deutschen Nationalgefühl harmonierte. Jeder trällerte die Melodien, überall hörte man die Zeilen: „Schöner, schöner, schöner, grüner Jungfernkranz, mit veilchenblauer Seide, mit veilchenblauer Seide!“, derart permanent und nervtötend, dass es Heinrich Heine die schönsten Momente in Berlin verbitterte, wie er in seinem berühmten Brief über musikalische Lärmbelästigung schrieb.

          Aber Kind war nicht glücklich mit diesem Erfolg, im Gegenteil, er war empört, fühlte sich als Dichter nicht genug gewürdigt – und nicht nach Gebühr entlohnt.

          Jugendliche Träume vom Dichterleben

          Er entstammte einer weitverzweigten sächsischen Juristenfamilie, deren Stammhaus in Werdau lag. Sein Vater war Leipziger Oberhofgerichts- und Konsistorialadvokat und Senator. Friedrich wuchs in Leipzig auf, absolvierte als „Privatist“ die Leipziger Thomasschule und ein Jurastudium an der Universität. Nach einem Volontariat in Delitzsch wechselte er nach Dresden. Schon in seiner Schulzeit hatte der Junge nicht nur einen Hang zum Schauerlichen entwickelt, sondern auch zu dichten begonnen. Das beobachtete sein Vater mit großer Sorge.

          Aber es blieb bei Schwärmereien, kühnen Träumen von einem freien Dichterleben und viel beschriebenem Papier. In Dresden wurde aus dem jungen Kind ein tüchtiger Advokat – so tüchtig, dass der damalige Kanzler Georg Wilhelm von Hopffgarten ihm bereits nach einem Jahr gestattete, eine eigene Praxis zu eröffnen. Es hätte alles ganz wunderbar werden können. Kind heiratete seine Jugendliebe, und ein Verwandter in Dresden vermittelte ihm die Bekanntschaft mit Karl August Böttiger und dem Verleger Georg Joachim Göschen, die sich von seinen poetischen Versuchen beeindruckt zeigten. Aber das Glück war von kurzer Dauer, denn schon ein Jahr nach der Heirat verstarb seine junge Frau im Kindbett.

          Die ersten Monate nach ihrem Tod waren entsetzlich. „Mein Herz, die ganze schöne Gotteserde schien mir versteint“, schrieb Kind in einem späteren autobiographischen Text. Ein Brief seines Freundes Göschen vermochte jedoch, ihn wieder aufzurichten, denn dieser übersandte ihm die „Vollmacht in seiner Prozeßsache gegen die Weidmannsche Buchhandlung, den Verlag sämmtlicher Wielandschen Werke betreffend, vor hiesigem Appellationsgerichte“. Diese Bemerkung haben bisher alle, die sich mit dem „Freischütz“ und seinem Librettisten beschäftigt haben, übersehen oder – da sie in der Welt der Oper zu Hause waren – nicht für wichtig genug erachtet, um darauf einzugehen.

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