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Synonym für den Belcanto: Die Sopranistin Adelina Patti (1843 – 1919) Bild: ddp / United Archives

Belcanto : Die ewige Sekunde

  • -Aktualisiert am

Die Frage der Bedeutung des Begriffs hat durch die Rückkehr der Barockoper Relevanz bekommen: Was bedeutet „Belcanto“ eigentlich? Und wo kommt der Begriff her? Verweile doch, du bist so schön!

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          „Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zu rechten Zeit sich ein.“ Zu einem den Begriff vernebelnden Wort sind „Belcanto“ oder „belcantisch/belcantistisch“ geworden. Bei der Beurteilung des Singens wird es beliebig gebraucht; etwa, wenn es heißt, ein Sänger habe eine Verdi-Partie mit „emphatischem Belcanto-Leben“ erfüllt; oder er habe der Partie des Pogner „Belcanto-Aura“ geschenkt oder die des Wozzeck „geradezu belcantisch“ gesungen. Ein Lob, das sich mit der wörtlichen Übersetzung – Belcanto gleich „schöner Gesang“ – begnügt, und bei dem jeder sich das Seine denken kann. Die Frage der Bedeutung des Begriffs hat durch die Rückkehr der Barockoper – nicht allein der Werke von Georg Friedrich Händel, sondern auch von Agostino Steffani, Antonio Cesti und Nicola Porpora – Relevanz bekommen.

          Von „bel canto“ verzaubert fühlt sich der Titelheld in Händels Oper „Giulio Cesare“, wenn er von Nireno, einem der Vertrauten der Cleopatra, in einen Zedernhain geführt wird und die ins Gewand der Tugend verkleidete Königin erblickt, die ihm in einem 35 Takte langen, mit zarten Trillern ausgeschmückten Largo schmeichelt, dass sie von seinen Augen wie von Liebespfeilen durchbohrt werde. „Non ha in cielo il Tonante melodia, che pareggi un sì bel canto“, jauchzt er auf, „Zeus im Himmel hat keine Melodie, die diesem schönen Gesang gleichkommt.“ Nur: Diese beiden Worte Caesars sind nichts als Ausdruck subjektiver Affektation. Als Begriff aber war „bel canto“ in seiner Hochzeit, also in der Ära der von den Kastraten geprägten Gesangsvirtuosität, unbekannt. Er ist weder in den Grundsatzschriften über den italienischen Gesang zu finden, den Traktaten von Pier Francesco Tosi (1723) und Giovanni Mancini (1774), noch in der „École de Garcia“, dem „Traité complet de l’art du chant par Manuel Garcia fils.“

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