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Südfranzösische Festspiele : Phallusreigen bei Mozarts „Le nozze di Figaro“

  • -Aktualisiert am

Südfranzösische Musikfestspiele Bild: Festival d'Aix-en-Provence, Jean-Louis

Neue Dante-Lieder von Pascal Dusapin und weltweises Kinderlallen von Olivier Messiaen treffen bei den südfranzösischen Musikfestspielen auf einen Phallusreigen im Strick-Club bei Mozarts „Le nozze di Figaro“.

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          Künstlerische Neugier und das leichtere savoir-vivre in Aix-en-Provence prägen seit jeher die sommerlichen Musikfestspiele Südfrankreichs. Mozart-Figuren gehören zum Gründungsmythos des „Festival International d’Art lyrique et Musique“; einer der Initiatoren stellte sich 1947 das Schwesternpaar aus „Così fan tutte“ an einem Brunnen des Cours Mirabeau, der prachtvollen Platanenallee im Herzen der Stadt, vor. Im folgenden Jahr wurde die Oper im mediterranen Innenhof des ehemaligen erzbischöflichen Palais aufgeführt; eine Institution war geboren.

          Der Wind, der auch bei blauestem Himmel in Aix immer weht, kommt aus den Bergen. Die magische Montagne Sainte-Victoire, von der Paul Cézanne besessen war, beherrscht die Szene. Auch Darius Milhaud, provenzalisch-jüdischer Komponist, später Kosmopolit, der um 1900 in Aix aufwuchs, lernte das Meer erst als Erwachsener kennen. Seit den ersten Festival-Ausgaben wird seine Musik hier zu Unrecht nicht mehr gespielt, sondern nur noch „geehrt“ – neben dem Konservatorium, das seinen Namen trägt, liegt das Bistrot „Darius“.

          Auch für Gustav Mahler und Richard Strauss hatten die Berge große Bedeutung. Simon Rattle und das London Symphony Orchestra kombinierten Strauss’ Orchestersuite „Der Bürger als Edelmann“ mit Mahlers „Lied von der Erde“. Die Suite hat ihre warmen Momente, wenn Strauss ganz zart ein originales Menuett von Lully zitiert. Hier sind auch Rattle und das LSO ganz bei sich. Doch bleibt der Eindruck: „Strauss blendet und blitzt, Mahler glüht und leuchtet“, wie die Künstlerfreundin Ida Dehmel zuspitzte.

          Die orientalische Lyrik traf bei Mahler einen Lebensnerv

          Zumal in den Orchesterliedern, die Mahler wenige Jahre vor seinem Tod nach Gedichten aus der Sammlung „Die chinesische Flöte“ von Hans Bethge schuf. Die beliebte Sammlung mit Nachdichtungen orientalischer Lyrik (1907) wurde von einer ganzen Reihe Komponisten, zuletzt noch von Krzysztof Penderecki in dessen sechster Symphonie, vertont. Bei Mahler trafen sie den Lebensnerv. Freude an Schönheit und Jugend glühen noch einmal auf, doch Mahlers Musik strebt voran auf dem Weg in die Ewigkeit. Die Instrumente malen nicht, sie haben weise, weittragende Stimmen. So das Englischhorn, so der tiefernste Posaunenton, der machtvoll die Abschiedsverse einleitet: „Die Sonne scheidet hinter dem Gebirge / In alle Täler steigt der Abend nieder.“ Magdalena Kožená und der superb gestaltende Tenor Andrew Staples, wechselweise singend, lassen sich ganz in diese „Ich-Musik“ (meinte Mahlers Freund Bruno Walter) hineinziehen; der Tenor artikuliert dabei deutlicher als die Mezzosopranistin.

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