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Wagners „Ring“ in Los Angeles : Vierzig Millionen für vier Jahre

  • -Aktualisiert am

Lichtschwerter und Lichtstrahlen als Leitmotive: Freyer inszeniert zeitgemäß, sucht aber nicht den aktuellen Bezug Bild: Monika Rittershaus

Der Grüne Hügel steht jetzt in Kalifornien: In Los Angeles verwandelt Regisseur Achim Freyer Wagners „Ring“-Tetralogie in ein phantastisches Bühnenlichtspiel. Gigantisch, aber auch gigantisch gut.

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          Der „Ring“ ist nach Los Angeles heimgekehrt. Dass es ihn hier noch nie zu sehen und zu hören gab, tut nichts zur Sache. Hollywood, immer noch Synonym für Los Angeles, lebt vom Mythos und für ihn, besteht aus alten Mythen und schickt ständig neue in die Welt. Es ist also ein Ort für Wagner. Sein kosmischer Erschaffungs- und Untergangsmythos entspricht schon in seiner monumentalen Anlage den Vorlieben, wie sie von „The Birth of a Nation“ bis „Avatar“ einen wesentlichen Teil Hollywoods prägen.

          Was Wunder, dass sich die Los Angeles Opera unter Filmregisseuren umsah, als sie den ultimativen Selbsttest jedes Opernhauses, eine Neuinszenierung der Tetralogie, ins Visier nahm. Kein Geringerer als George Lucas war geneigt, den Nibelungen sein „Star Wars“-Können zugutekommen zu lassen. Als sein Kostenvoranschlag auf sechzig Millionen Dollar anschwoll, musste das Vorhaben jedoch abgesagt werden. Sogar ein Intendant mit einem unter Sponsoren zugkräftigen Namen wie Plácido Domingo traute sich nicht zu, die riesige Summe zu erbetteln.

          Gut die Hälfte kostet nun der „Ring“, für den Achim Freyer seinen Lebensmittelpunkt für vier Jahre von Berlin nach Los Angeles verlegte. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist auch das noch viel Geld. So musste die Los Angeles Opera ihren Spielplan beschneiden und schließlich den Staat anpumpen. Finanziell bleibt die Lage heikel. Ohne die sieben Millionen Dollar des übermächtige Kultursponsors der Westküste Elli Broad wäre es schwer geworden, diesen „Ring“ zu Ende zu schmieden.

          Spielfiguren einer Theatermythenwelt

          Freyer hat es geschafft. Nun kann sich Los Angeles als pazifisches Bayreuth fühlen, wo diesen Juni gleich drei Zyklen einander folgen. Aber nicht nur das: Um den „Ring“ legt sich ein zweiter Ring von buchstäblich Hunderten von Veranstaltungen, wie sie in solcher Fülle auch das echte Bayreuth kaum bietet. Mit einer Begeisterung, die vielleicht bloß von einer neuen Erfahrung geweckt wird, tragen fast alle Kulturinstitute der Region zum „Ring Festival LA“ bei.

          Beziehungsreiches aus den Magazinen

          Versteht sich, dass Fritz Langs Filmklassiker „Die Nibelungen“ zu sehen ist, dass die großen Museen, ob Getty oder Los Angeles County Museum of Art, mehr oder weniger Beziehungsreiches aus den Magazinen holen, dass das Goethe-Institut und lokale Universitäten Wagner nachspüren, und auch, dass Freyer seine in Los Angeles entstandenen Gemälde austellt. Aber dass die kleine Lyric Opera of Los Angeles Wagners Frühwerk „Die Feen“ aufführt und die University of Southern California „Das Liebesverbot“, übersteigt gängige Begleitprogramme erfreulich weit.

          Überhaupt gab es Vorträge und Symposien wie Sand in Malibu, herausragend die zweitägige Konferenz über Wagner als Opernkomponist im 21. Jahrhundert des unternehmungslustigen Hammer Museums und der University of California. Zwischendurch dann ein paar Kontroversen. Wären sie ausgeblieben, hätten die Veranstalter tatsächlich Grund zur Sorge gehabt. Doch so wurde ihnen bescheinigt, dass sie etwas boten, das auch mal unbequem über den kulturellen Rahmen hinauswirkt. Früh meldete sich ein Lokalpolitiker zu Wort, der das ganze Projekt zum Teufel wünschte und der Los Angeles Opera nahelegte, jenen Mann, der „de facto den Soundtrack zum Holocaust“ geliefert habe, mit Werken weniger umstrittener Komponisten wie Mozart und Puccini zu konterkarieren.

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