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Wagner-Festspiele : Bayreuth verliert die ältere Wagner-Tochter

  • -Aktualisiert am

Eva Wagner-Pasquier (links) und ihre Schwester Katharina Bild: Roeder, Jan

Vor sechs Jahren traten Eva Wagner-Pasquier und ihre jüngere Halbschwester Katharina die Nachfolge ihres Vaters an der Spitze der Bayreuther Festspiele an. Nun zieht Eva die Konsequenzen aus einem unwürdigen Machtspiel.

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          Eva Wagner-Pasquier, eine der beiden künstlerischen Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, ist entlassen worden. In einem bereits eine Woche zurückliegenden Vieraugengespräch soll Toni Schmid, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Bayreuther Festspiele GmbH, Eva Wagner-Pasquier nahegelegt haben zu gehen, heißt es aus informierten Kreisen. Oder auch: Schmid habe ihr eröffnet, der Vertrag werde nicht über das Jahr 2015 hinaus verlängert.

          Jetzt ist die scheue, stille, auf künstlerische Entscheidungsfragen konzentrierte Eva, die nicht halb so flott mit der Pressemeute umgehen kann wie ihre Halbschwester und Kollegin im Leiterinnen-Amt, Katharina Wagner, allen zuvorgekommen und ist an die Öffentlichkeit gegangen. Gegenüber dem „Nordbayerischen Kurier“ erklärte sie ihren freiwilligen Amtsverzicht. Im Wortlaut: „Ich habe die Gesellschafter gebeten, mich ab September 2015 als Beraterin einzubinden.“ Der Zeitpunkt dieser Erklärung ist medienwirksam gewählt. Denn am Sonntag zeigt das ZDF den deutschen Fernsehzuschauern in einem verspäteten Krimi zum Richard-Wagner-Jahr noch einmal, was für Verheerungen das Richard-Wagner-Macht-Gen in den Hirnen und Herzen des Wagner-Clans angerichtet hatte. Der bessere Krimi spielt sich freilich in der Gegenwart ab.

          Zu den Gründen für ihren Rücktritt befragt, gibt Eva Wagner-Pasquier keine Auskunft. Sie überlässt damit Katharina Wagner die Alleinherrschaft über das umstrittene Familienerbstück der Festspiele. Die Verlängerung von Katharinas Vertrag um weitere fünf Jahre steht nicht in Frage, vielmehr kurz vor dem Abschluss.

          Wer folgt ihr nach?

          Als die beiden Wagner-Urenkelinnen, beide Töchter des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner, in dessen Nachfolge 2008 die Leitung in Bayreuth übernahmen, war dies ein historischer Kompromiss. Der greise Wolfgang Wagner, auch Alleingesellschafter der Festspiel-GmbH, hatte sich lange zäh an sein ihm vertraglich „auf Lebenszeit“ zugesichertes Amt geklammert: Er wolle erst zurücktreten, wenn die jüngste Tochter aus zweiter Ehe, Katharina, die Festspielleitung übernehme. Der Stiftungsrat sperrte sich gegen diese dynastische Erbfolge. Erst als die ältere Tochter aus erster Ehe, Eva, die Wolfgang Wagner 1976 verstoßen und aus dem Haus geworfen hatte, ins Spiel kam, konnte das Patt aufgelöst werden. Eva, die eine beachtliche Karriere als Theatermanagerin vorweisen kann, wurde auf diese Weise zur Steigbügelhalterin Katharinas. Sie übernahm dank ihrer langjährigen Erfahrungen im Bühnengeschäft aber weitgehend die Regelungen der Festspiel-Engagements von Dirigenten und Sängern.

          Katharina Wagner arbeitet zur Zeit an der Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ für die Festspiele 2015. Sie tut dies gemeinsam mit ihrem guten Freund und musikalischen Berater, Christian Thielemann, der seine Ambitionen auf Beteiligung an der Festspielleitung nicht aufgegeben haben dürfte. Aber wer wird künftig der kaufmännische Direktor an Katharina Wagners Seite sein, der sie vor weiteren Blamagen bei Bundesrechnungshofprüfungen bewahrt? Angeblich soll der Vertrag mit dem dreiundsiebzigjährigen Heinz Dieter Sense, der im Sommer 2013 rettend einsprang, noch einmal verlängert werden.

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