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Machtmissbrauch im Theater : Der Teufel ist das System

Die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, hier im Juni 2014, ein Jahr nach ihrem Antritt. Bild: Maurice Weiss/Ostkreuz

Ausgerechnet am Berliner Maxim Gorki-Theater, das alles anders machen wollte, soll es Machtmissbrauch und Rassismus geben. Warum ist das Schweigen darüber so groß?

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          Das Berliner Ma­­­­­xim Gorki-Theater galt in Deutschland lange als eine Ausnahme. Divers, unkonventionell, progressiv, queer – alles, was die meisten anderen Stadttheater nicht waren. Vor allem galt es als Ort, an dem Menschen mit Migrationsgeschichte Karriere machen können, während ein für Deutschland scheinbar untypischer Name oder eine andere Hautfarbe andernorts durchaus ein Hinderungsgrund sein können. Zweimal wurde das Gorki von der Zeitschrift „Theater heute“ als Theater des Jahres geehrt, die Inszenierungen erhielten zahlreiche Preise. Viele Zeitungen, darunter die New York Times, berichteten über den revolutionären Ansatz, Menschen auf die Bühne zu bringen, die man dort sonst selten sah. Geschichten zu erzählen von Flucht,­­­ ­Ausgrenzung und Diskriminierung. Ge­schichten wie es sie in Deutschland überall gibt, auf Theaterbühnen aber selten. Am Gorki war all das möglich. Eine der wenigen Prinzipien des Theaters lautete: „Es darf keine Arschlöcher geben.“ So sagte es die Intendantin Shermin Langhoff vor einigen Jahren in einem Interview mit der „taz“. Die Realität muss da schon eine andere gewesen zu sein.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zuerst berichtete die „Süddeutsche Zeitung„, dann der „Spiegel„ über desaströse Zustände am Gorki. Dort herrsche ein „Klima der Angst“. Spricht man mit Kennern des Theaterbetriebs, dann sind viele von den Enthüllungen nicht sonderlich überrascht. Ehemalige Gorki-Mitarbeiter sagen gegenüber der F.A.S., sie seien froh, dass nun alles ans Licht komme: „Ich war so wütend, all diese positiven Berichte zu lesen. Es war so verlogen.“ Diese Worte fallen mit der Bitte um Anonymität. Vier Menschen schildern ihre Erlebnisse und Eindrücke, namentlich genannt werden wollen sie jedoch nicht. Shermin Langhoff sagt nichts. Auch andere lehnen es ab. Das öffentliche Schweigen erstaunt, da an anderen Theatern schon laut über vergleichbare Vorfälle und Enthüllungen gestritten wurde und noch gestritten wird: In Karlsruhe trennte man sich von dem Intendanten Peter Spuhler, weil dieser mit cholerischen Anfällen und Kon­trollzwang seine Mitarbeiter drangsaliert haben soll. In Düsseldorf und am Berliner Staatsballett gab es Rassismusvorwürfe, an der Berliner Volksbühne musste der Intendant Klaus Dörr nach Sexismus-Vorwürfen gehen. Einigen Intendanten wird ihr Verhalten zum Vorwurf gemacht; in Düsseldorf lautet er hingegen, nicht eingeschritten zu sein, als Vergehen anderer im Raum standen. Am Gorki-Theater war, so sagen es ehemalige Mitarbeiter gegenüber der F.A.S., offenbar beides der Fall.

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