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Vor der Festspiel-Entscheidung : Wer rettet die Zukunft Bayreuths?

  • -Aktualisiert am

„Public Viewing” in Bayreuth: Fester Bestandteil der neuen Ära Bild: AP

Wagners Erbe liegt auf dem Silbertablett. Am 1. September soll entschieden werden, wer auf dem Grünen Hügel künftig regieren wird. Wir blicken in die Konzepte, die die Urenkelinnen für die Bayreuther Festspiele erarbeitet haben.

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          Das berühmteste Opernfestival der Welt steht vor einer entscheidenden Wende. „Public viewing“, Internet-Übertragungen und die allgegenwärtige Medienpräsenz Katharina Wagners suggerieren den Beginn einer neuen Ära. Und doch liegt eine seltsame Stille über dem Grünen Hügel - all den Diskussionen über die Zukunft Bayreuths, wie sie auch in dieser Zeitung geführt wurden, zum Trotz.

          Wenn die Bayreuther Festspiele am 28. August mit der letzten „Parsifal“-Vorstellung zu Ende gehen, senkt sich auch der Vorhang für den Festspielleiter Wolfgang Wagner, den Alleinherrscher seit 1967. Obwohl die Nachfolgeregelung eine Ernennung des neuen Festspielleiters durch den scheidenden nicht vorsieht, hatten sich maßgebliche Mitglieder des zuständigen Stiftungsrats, unterstützt von Vertretern der öffentlichen Hand, mit ihm darauf verständigt, seinem Wunsch Folge zu leisten. In einem Spiel wechselseitiger Zugeständnisse war Wolfgang Wagner eine Nachfolgelösung in Aussicht gestellt worden, an der seine Tochter Katharina beteiligt sein würde. Der Schwerkraft regelwidrig geschaffener Fakten ist es nun zu verdanken, dass man scheinbar unausweichlich auf jene Doppelspitze mit Katharina und Eva Wagner-Pasquier zusteuert, zu der die Minister Thomas Goppel (München) und Bernd Neumann (Berlin) die beiden Halbschwestern zuvor überhaupt erst animiert und aufgefordert hatten.

          Zwei Konzepte

          Am 31. August läuft die viermonatige Frist, innerhalb deren sich die Kandidaten mit ihren Konzepten um die Leitung bewerben können, ab. Einen Tag danach soll die Entscheidung in einer Stiftungsratsitzung gefällt werden. Die Satzung sieht vor, dass die Abkömmlinge Richard Wagners mit der Mehrheit ihrer Stimmen einen Vorschlag machen können, der vorrangig zu behandeln ist. Dieser „offizielle“ Familienvorschlag, bei dem jedem „Stamm“ der vier Wagner-Enkel - Wolfgang, Wieland, Verena und Friedelind - eine Stimme zukommt, ist noch nicht eingegangen. Doch der Familienrat tagt und wird sich womöglich noch - wenn schon kaum einhellig, so doch womöglich mehrheitlich - auf eine Lösung einigen.

          Drei sind eine zuviel: Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner (v.l.)
          Drei sind eine zuviel: Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner (v.l.) : Bild: dpa

          Bislang liegen dem Stiftungsrat zwei Konzepte vor, deren Wortlaut wir seit vergangenem Donnerstag erstmals dokumentieren. Das Konzept von Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner ging dem Stiftungsrat Ende März zu, nachdem sich die Cousinen bereits am 18. Dezember schriftlich um die Nachfolge beworben hatten. Das zweite, von Eva Wagner-Pasquier mit Katharina Wagner unterzeichnete Papier, wurde am 20. April abgeschlossen. Beide Konzepte treffen sich in dem Vorsatz, die Festspiele auf behutsame Weise reformieren zu wollen, mit der subtilen Differenz, dass im jüngeren Konzept jene „Vorreiterrolle in der internationalen Wagnerinterpretation“, von der das ältere Konzept verlangt, sie müsse wieder erlangt werden, als gegeben unterstellt wird.

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