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Berliner Volksbühne : Schaut auf dieses Stadttheater!

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Wer schleicht denn da in der Volksbühne herum? Dunkelmänner in Castorfs Inszenierung von „Die Kabale der Scheinheiligen. Das Leben des Herrn de Molière“. Bild: Thomas Aurin

Aus der Ernennung von Chris Dercon als neuen Intendanten der Berliner Volksbühne hat sich ein Kulturkampf entwickelt – mit einem Senat, der sich bislang schwertut, die Ängste vor dem künstlerischen Ausverkauf des Hauses zu zerstreuen.

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          Berlins kulturinteressierte Kreise kennen fast nur noch ein Thema: Was wird aus der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz? Dass den seit 1992 amtierenden Intendanten Frank Castorf im Sommer 2017 der belgische Kurator Chris Dercon ablösen wird, wissen selbst Menschen, die nicht zum Stammpublikum der Volksbühne zählen. Und die meisten finden das nicht gut.

          Aber warum eigentlich? Passt die ganz und gar nicht hip, schick und trendy wirkende Sehnsucht der Castorf-Fraktion nach Kontinuität heute noch zu Berlin, dieser Stadt im permanenten Wandel, in der man sich besser nicht an ein Lokal oder ein Geschäft gewöhnt, weil es innerhalb weniger Tage geschlossen oder als etwas völlig Neues eröffnet werden könnte? Offenbar hat die Volksbühne auf Grund ihrer Geschichte und ihrer künstlerischen Ausstrahlung eine Ausnahmeposition, die vital mit der Stadt und ihren Bewohnern verbunden ist und von diesen ebenso wahrgenommen, gefordert und geschätzt wird. Mit Fug und Recht könnte man sogar behaupten, dass die Volksbühne für Kultur-Berlin mehr zählt als Hertha BSC für Sport-Berlin. Das zeigt sich auch daran, dass der Konflikt um die Neubesetzung der Volksbühne seit April 2015 nicht zu brodeln aufhört.

          Damals wurde Chris Dercon vom Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD) offiziell als nächster Intendant der Volksbühne vorgestellt. Leider wurde inhaltlich außer wolkigen Floskeln nichts Konkretes verlautbart, woran sich bis kaum etwas geändert hat: Genauere Aussagen von Dercon und seiner Programmdirektorin Marietta Piekenbrock zu ihrem „Globaltheater für das 21.Jahrhundert“ liegen immer noch nicht vor.

          Warum überhaupt der „radikale Neuanfang“?

          Zahlreiche Theaterleute schlugen nach der Verkündigung umgehend Alarm und äußerten ihre Bedenken, dem theaterunerfahrenen Kurator das renommierte Haus zu übergeben. In einem am Freitagabend veröffentlichten offenen Brief haben internationale Künstler, Museumsmacher und Architekten Chris Dercon hingegen den Rücken gestärkt. „Angesichts seiner Leistungen in den vergangenen drei Jahrzehnten glauben wir, dass Dercon nicht nur ausgesprochen gut geeignet ist, die Bühne zu leiten – er ist auch eine kühne und inspirierte Wahl“, heißt es in dem Brief. Chris Dercon (Jahrgang 1958) war unter anderem von 2003 bis 2011 Direktor des Hauses der Kunst in München und wechselte dann in gleicher Funktion an die Tate Gallery of Modern Art in London.

          Zu den Warnern gehörte auch Ulrich Khuon, der besonnene, zurückhaltende Chef des Deutschen Theaters. Er begann seine Laufbahn als Dramaturg, ehe er Intendant wurde und über Stationen in Konstanz, Hannover und Hamburg an die Spitze der Traditionsbühne im Herzen Berlins gelangte.

          Natürlich hätte er diese Position als Anfänger nicht seriös erfüllen können, betont er jetzt im Gespräch, schließlich sei Intendant ein Beruf „wie Flugzeugpilot auch. Wir haben theaterspezifische Erfahrungen, haben den Apparat im Griff, bringen unsere Ensembles voran, sind in der Öffentlichkeit präsent, treffen ökonomische wie ästhetische Entscheidungen. Wir sind nicht einfach nur alte, weiße Männer, die nicht loslassen können, sondern wir beherrschen eben bestimmte Dinge.“ Obwohl er gern in Museen geht, eine Liebe zur bildenden Kunst hat und auch „ein bisschen was“ von ihr versteht, wie er bescheiden anfügt, und obwohl er in Hannover eng und gern mit dem dortigen Kunstverein kooperierte, wäre es für ihn undenkbar, vielleicht den Hamburger Bahnhof, das Berliner Museum für Gegenwartskunst, zu übernehmen – von der Tate Modern ganz zu schweigen.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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