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Düsseldorfer Schauspielhaus : Ein Glück, dass es noch steht

Wegen der Fassade wird noch prozessiert: Innen ist das erneuerte Düsseldorfer Schauspielhaus schon fertig. Bild: dpa

Theater als Ausdruck urbanen Geistes: In Düsseldorf wird sich mit dem Umbau des Schauspielhauses auch die Stadt verändern.

          5 Min.

          Fast zwei Wochen lang feierte das Düsseldorfer Schauspielhaus seinen fünfzigsten Geburtstag, und als an einem Tag der offenen Tür auch die Werkstätten und Garderoben besichtigt werden konnten, war das Haus übervoll. Das Theater wurde „total überrannt“, berichtet Generalintendant Wilfried Schulz. „Wir hatten es nicht mehr im Griff.“

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Gefeiert wird – auch in dem opulenten Jubiläumsband, der unter dem Titel „fünfzig“ bei „Theater der Zeit“ erschienen ist – das Haus, das am 16. Januar 1970 eingeweihte, nach Plänen des Düsseldorfer Architekten Bernhard Pfau errichtete Theatergebäude. Die Institution mit dem Namen Düsseldorfer Schauspielhaus ist zwei Jahrzehnte älter und verdankt ihre Unabhängigkeit von der Oper dem berühmtesten Düsseldorfer Intendanten, nach dem der Platz vor dem Theater benannt ist: Gustaf Gründgens. Sein Nachfolger Karl-Heinz Stroux amtierte von 1955 bis 1972 und inszenierte zur Eröffnung des Pfau-Baus „Dantons Tod“.

          Schulz, der 2016 aus Dresden nach Düsseldorf kam, will diese klassische Periode nicht etwa vergessen machen. Ihn hat vielleicht selbst überrascht, wie loyal das Publikum dem Haus gegenüber ist. Das Theater wird von der Stadtgesellschaft als fester Ort erlebt und geschätzt. Es ist das, was stehenbleibt, wenn die Kulissen abgebaut werden. Schulz hat dem einzigen Staatstheater Nordrhein-Westfalens wieder überregionale Resonanz verschafft, unter scheinbar ungünstigen Bedingungen, denselben Bedingungen allerdings, die auch Gründgens und Stroux vorfanden: als Disponent eines Provisoriums.

          Abrissgedanken des Oberbürgermeisters

          Als Schulz sein Amt antrat, fand er die überraschende Mitteilung vor, dass wegen des Baus einer Tiefgarage der Spielbetrieb im Stammhaus über Jahre unmöglich sein werde. Eine Marketingfloskel wurde wahr: Das Theater ging in die Stadt. Die meisten Premieren fanden in einem früher von der Post genutzten Lagerhaus in der Nachbarschaft des Hauptbahnhofs statt. Abordnungen des Ensembles boten an prosaischen Orten des Arbeitsalltags, in Kirchen und in kurzzeitig aufgeschlagenen Zelten kompakte Fassungen beliebter Repertoirestücke dar. Und mit der Kunde von der Wanderbühne verbreitete sich die Sehnsucht nach der Heimkehr.

          Als das Publikum jetzt das Schauspielhaus wieder in Besitz nahm, floss in die Festfreude auch die Erleichterung darüber ein, dass das Haus noch steht. Denn Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte öffentlich mit dem Gedanken gespielt, die Schließung für einen Abriss zu nutzen und an der Stelle des 1998 in die Denkmalliste eingetragenen Baus ein Kongresszentrum oder ein Musicaltheater zu errichten – oder aber eine Kopie des Originals, nach den echten Bauplänen von Pfau, weil Geisel vermutete, das werde am Ende billiger als eine Sanierung. Beim Festakt vor der Jubiläumspremiere von Brechts „Leben des Galilei“ erhielt der Sozialdemokrat Geisel, der sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellt, sehr viel weniger Applaus als Ministerpräsident Armin Laschet.

          Der Tausendfüßler wurde beseitigt

          Das Haus wurde saniert und in den öffentlich zugänglichen Bereichen modernisiert. Bei dieser Aufgabe kam in einer Wendung der Dinge wie im Melodrama ausgerechnet jener Mann zum Zug, der Schulz den Amtsantritt durch ein buchstäbliches Untergraben des Bühnenbodens verdorben hatte. Dass in der Innenstadt jahrelang das Unterste zuoberst gekehrt und dann wieder verbuddelt und versiegelt wurde, ist das Werk des 1960 in Düsseldorf geborenen Architekten Christoph Ingenhoven. Schon 1992 schlug er der Stadt vor, die historische Verbindung zwischen der Königsallee und dem Hofgarten durch Ablenkung des Autoverkehrs in den Untergrund wiederherzustellen. Düsseldorf, unter dem Planungsdezernenten Friedrich Tamms, einem engen Mitarbeiter von Albert Speer, einst Musterstadt der Autogerechtigkeit, sollte in der nächsten Runde des Planierens abermals Vorreiter sein.

          Ingenhovens Ziel ist es seit langem, die Innenstadt wieder lesbar zu machen. Im Weg stand dieser Vision eine unleserlich gewordene Hieroglyphe der nachkriegszeitlichen Baugesinnung: die vom Volksmund mit dem possierlichen Namen des Tausendfüßlers veredelte Autohochstraße. 2013 wurde die Brücke abgerissen, nachdem der Wirtschaftsminister die nach dem Denkmalschutzrecht nötige Ausnahmegenehmigung erteilt hatte.

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