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Ultraschall-Festival in Berlin : Lange nicht mehr so gelacht wie bei diesen Hetzreden

  • -Aktualisiert am

(K)eine politische Veranstaltung: das Ultraschall-Festival in Berlin Bild: Simon Detel/Deutschlandfunk

Der Versuch, politisch sein zu wollen, führt zu einem Konzertunfall mit Trillerpfeife: Eindrücke beim Ultraschall-Festival für neue Musik in Berlin.

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          Ein Ausrufezeichen will der slowenische Komponist Vito Žuraj dann lieber doch nicht setzen. „Stand up“ lautet der Titel seines Stückes, das in revidierter Fassung beim diesjährigen „Ultraschall-Festival“ in Berlin uraufgeführt wurde. Das Aufstehen, Aufbegehren, Protestieren erscheint als erwägbare Möglichkeit, eine Aufforderung will der Komponist aber nicht aussprechen. Ohne Ausrufezeichen bleibt auch Žurajs Musik, die in programmmusikalisch anmutender Bildlichkeit Hetzreden populistischer Politiker nachzeichnet sowie den Ärger, den der kritische Beobachter darüber empfindet. Der Eindruck tendiert dabei zum Possierlichen: Die Pizzicati in den Streichern pieksen, die Holzbläser schwatzen, im Schlagzeug, dessen Part Žuraj klanglich verschärft haben will im Vergleich zur ersten Fassung von 2017, kommen Rätschen, Trillerpfeifen und gar Autohupen schönster nostalgischer Anmutung zum Einsatz. Im Publikum wird gelacht. Und dass in allgemeiner Belustigung endet, was doch eigentlich als abschreckende Demonstration gedacht war, erscheint als Konzertunfall, der wieder nur bebildert, wie schwer den Populisten offenbar beizukommen ist.

          Beim Ultraschall-Festival, das jährlich vom Deutschlandfunk Kultur und dem Kulturradio des RBB veranstaltet wird, stand Žurajs Stück in einer Reihe von Werken, die den politischen Bezug suchen. Auch Fabien Lévy, dessen langes Stück „De l’art d’induire en erreur“, also eine „Kunst der Irreführung“, ebenfalls im abschließenden Orchesterkonzert uraufgeführt wurde, möchte den dritten und letzten Satz als Beitrag zur Klimaproblematik verstanden wissen. Der Titel, ein Zitat des Rabbi Nachman von Brazlav, lautet: „Erinnere Dich an Deine Zukunft.“ Die musikalische Umsetzung erfolgt in wohlklingender Neutralität, das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) unter der Leitung von Johannes Kalitzke steuert einen unaufdringlich schimmernden, dann wieder verplaudert bewegten Hintergrund bei, Truike van der Poel, Martin Nagy und Andreas Fischer treten singend und rezitierend auf, allesamt Mitglieder der Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Das Stück endet, als sei dem Komponisten unerwartet die Tinte ausgegangen, ratlos wartet das Publikum, ob nun zu klatschen sei oder ob doch noch etwas nachtröpfelt.

          Mehr Guerrero hätte gut getan

          Was für eine Pranke war noch zu Beginn dieses Abends zu erleben bei Francisco Guerreros Orchesterstück „Antar Atman“ von 1980! Wie Gesteinsschichten lagert der spanische Komponist verschiedene Ebenen übereinander, am Ende mischen sich Prunk und Drohung. Drei Glockenspiele klingeln im Tremolo eines hysterisierten Glöckners, die hohen Hörner mischen sich mit eisernem Glanz hinein, dazwischen ertönt in den Holzbläsern ein apokalyptischer Choral. Den Hörer fasst das unmittelbar an, es stellt sich die Frage, warum von dieser Musik, die ihre Relevanz nicht erst unter Beweis stellen muss, nicht mehr zu hören ist beim Festival. Ein Guerrero-Schwerpunkt wäre schön gewesen angesichts der Tatsache, dass dieser Komponist, 1997 im Alter von sechsundvierzig Jahren gestorben, heute kaum noch gespielt wird.

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