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Die neue Saison im Theater : Lasst die Bühnen beben!

  • -Aktualisiert am

Auf ihn darf man sich in Bochum als Iwanow freuen: Jens Harzer, hier in der gefeierten Salzburger „Penthesilea“ als Achill Bild: dpa

Am Wochenende beginnt an vielen Theatern des Landes die neue Spielzeit. Worauf können wir uns freuen? Was wird uns ärgern? Und welche Häuser lohnen den Besuch ganz besonders?

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          Das Stück der Stunde kommt aus Frankreich. Geschrieben hat es der 1968 im Libanon geborene Dramatiker Wajdi Mouawad. „Vögel“ heißt es und handelt von einer Liebesgeschichte zwischen einer amerikanischen Araberin und einem deutschen Juden aus Berlin. Durch Zufall lernen sie sich in einer New Yorker Universitätsbibliothek kennen, durch Zufall werden sie von einem Selbstmordanschlag an einer israelischen Grenzstation auseinandergerissen.Die Eltern von Eitan waren von Anfang an gegen die neue Freundin. Vor allem der Vater wirft seinem Sohn die Liebe zu einer „Feindin des jüdischen Volkes“ vor. „Ich lieben keinen Juden. Ich liebe Eitan“ ruft jene verzweifelt der jüdischen Großmutter ins Gewissen, die ihren eigenen Seelenfrieden verloren hat, seit ihr Mann von einer Patrouille durch die palästinensischen Dörfer ein Baby im Karton mitgebracht hat. Der, der sich am jüdischsten fühlt, ist in Wahrheit selbst der angebliche Feind.

          „Vögel“ ist ein zeitpolitisch realistisches Drama ohne besondere sprachliche oder ästhetische Ambition. Überraschend streng nach den alten Regeln der Dramentheorie konstruiert, kündigt sich von Beginn ein dramatischer Konflikt an, der sich im Verlauf der Handlung verschärft, kurz aufgehalten wird und schließlich in der Katastrophe endet. Es kommen einem wenig Fragen in den Sinn während der Lektüre, alles ist moralisch übersichtlich und politisch haltungsklar. Allerdings sind die „Vögel“, die 2017 in Paris mehrsprachig in Hebräisch, Arabisch, Deutsch und Englisch uraufgeführt wurden, das Gegenteil zu den postdramatischen Textflächen, die zuletzt das Gegenwartstheater bestimmten.

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