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Tod eines Baritons : Der Sänger Dmitri Chworostowski ist tot

Der Bariton Dmitri Chworostowski. Bild: James Hill/laif

Der starke Fürst aus Sibirien sang mit dem weichen Feuer der Resignation: Der Bariton Dmitri Chworostowski ist mit 55 Jahren gestorben.

          Er war eine glänzende Erscheinung: hochgewachsen, sportlich von Statur, markant im Auftreten, ohne roh oder polternd zu wirken; doch das vor der Zeit ganz silbern gewordene Haar verlieh ihm immer die Melancholie allzu frühen Alters. Dmitri Chworostowski bezauberte sein Publikum, wo immer er auftrat, mit der virilen Eleganz eines russischen Fürsten. Die Partie des noblen Jelezki in Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ war wie geschaffen für ihn.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Stimme dieses Baritons, der 1962 in Krasnojarsk geboren wurde, war gesegnet mit einer leicht ansprechenden Höhe, die sich durch eine Weichheit und Fülle im Piano auszeichnete, wie sie sonst vielleicht nur noch Hermann Prey zu Gebote gestanden hatte. Und wie Prey verschmähte Chworostowski auch das volkstümliche Repertoire nicht und hat beispielsweise im Jahr 2007 mit dem Staatlichen Russischen Akademischen Kammerorchester russische Romanzen, populäre, immer ein wenig elegische Lieder nach großen Dichtern wie Fjodor Tjutschew oder Iwan Turgenjew aufgenommen. Doch auch seinem sowjetischen Zeitgenossen Georgi Swiridow und dessen Liederzyklus „Aufstrebendes Russland“ nach Sergej Jessenin galt der wiederholte Einsatz Chworostowskis.

          Nach seinem Studium in Krasnojarsk hatte der Sänger international auf sich aufmerksam gemacht, als er 1989 den Wettbewerb „Cardiff Singer of the World“ gewann und den Konkurrenten Bryn Terfel auf den zweiten Rang verwies. Bald darauf war Chworostowski an den großen Bühnen von Venedig, Mailand, London, Berlin zu hören. Der „Jewgeni Onegin“ von Tschaikowsky gehörte zu seinen Glanzrollen; daneben war er – dank seiner enormen vokalen Kraft, seines erlesenen Legatos, der vorzüglichen Diktion und des immer spürbaren Feuers der inneren Beteiligung – einer der gefragtesten Sänger für die Partien Giuseppe Verdis. Hört man, wie er mit dem estnischen Pianisten Ivari Ilja Lieder von Sergej Rachmaninow gestaltet, so bemerkt man eine erstaunliche Sensibilität für die teils widersprüchlichen Überlagerungen von dichterischer und musikalischer Form, von sprachlichem Idealismus und klingender Resignation vor der Wirklichkeit.

          Im vergangenen Jahr zog sich Chworostowski von der Bühne zurück, nachdem bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert worden war. Ein Abend mit Musik von Michail Glinka, Alexander Borodin, Tschaikowsky und Rachmaninow in der Residenz des russischen Botschafters in London war sein letzter öffentlicher Auftritt. Wie seine Familie jetzt bekanntgab, ist Dmitri Alexandrowitsch Chworostowski am Mittwoch, dem Tag der heiligen Cäcilie, in London seinem Krebsleiden erlegen. Er wurde 55 Jahre alt.

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