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Neuer GMD in Frankfurt : Die junge Exzellenz

Die große Hoffnung für Frankfurt: Thomas Guggeis Bild: dpa

Er ist 28 Jahre alt, Daniel Barenboim hat ihn gefördert, der Betrieb reißt sich um ihn. Jetzt wird Thomas Guggeis neuer musikalischer Leiter der Oper Frankfurt.

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          Man hätte fast wetten können, dass Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, Joana Mallwitz zur neuen Generalmusikdirektorin seines Hauses machen würde. Immer wieder hatte er die Dirigentin mit Premieren betraut. Und überdies gehört er durchaus zu den Förderern von Frauen in dem Metier, denn auch die Litauerin Giedrė Šlekytė, zuletzt in Frankfurt mit Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“ zu erleben, erfreut sich seiner Fürsprache.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Doch nun kam alles überraschend anders. Mallwitz entschied sich, von Nürnberg nach Berlin zu gehen und dort die Nachfolge von Christoph Eschenbach anzutreten, und Loebe entschied sich auch – und zwar blitzschnell für einen jungen Mann, um den sich der Musikbetrieb gerade von allen Seiten heiß bemüht: den achtundzwanzigjährigen Thomas Guggeis, über den Loebe sagt: „Von einem singulären Talent zu sprechen, ist untertrieben“.

          Begehrt an den großen Häusern

          Guggeis stammt aus Niederbayern, „aus einer komplett unmusikalischen Familie“, wie er kürzlich erzählte, um dann nachzuschieben, dass zumindest ein Onkel Schlagzeug gespielt habe. Mit vier Jahren fing er selbst an, Schlagzeug zu spielen, wechselte aber bald zum Klavier und sang gern. Nach der Schule studierte er Quantenphysik und Dirigieren. In beiden Fächern hat er zumindest den Bachelor. Mit dreiundzwanzig Jahren kam er als Klavierkorrepetitor an die Berliner Staatsoper Unter den Linden und wurde Assistent des dortigen Generalmusikdirektors Daniel Barenboim. Guggeis schwärmt von der „schier endlosen Unterstützung“, die ihm Barenboim habe zuteil werden lassen. Das Vertrauen des Chefs in ihn war so groß, dass Guggeis im März 2018 einspringen durfte, die Premiere von Richard Strauss’ „Salome“ zu leiten, nachdem Christoph von Dohnányi, verärgert über die Regie von Hans Neuenfels, das Dirigat abgelehnt hatte. Bernd Loebe saß damals im Saal und war fasziniert von dem, was sich im Orchestergraben ereignete. Die überregionale Kritik staunte: Der Name Thomas Guggeis war mit einem Mal in aller Munde.

          Sofort kam das Angebot aus Stuttgart, an der Staatsoper Kapellmeister unter der Leitung des Generalmusikdirektors Cornelius Meister zu werden. Doch schon kurz danach warb die Berliner Staatsoper um den jungen Hoffnungsträger, er möge doch wieder zurückkommen. Flugs wurde eine neue Stelle geschaffen: die des Staatskapellmeisters, „ein Ehrentitel“, wie Guggeis erläuterte , der im Januar 2020 wieder nach Berlin zurückkehrte. Barenboim schenkte ihm eine Partitur von Verdis „Macbeth“ mit der Widmung: „Für Thomas, in Bewunderung und Dankbarkeit und mit besten Wünschen für seine große Zukunft“.

          Der Aufsichtsrat der Oper Frankfurt hat nun den Vorschlag Loebes genehmigt: Guggeis wird mit der Spielzeit 2023/24 für die Dauer von zunächst fünf Jahren und mit einer Dirigierverpflichtung von 35 Abenden pro Saison Nachfolger von Sebastian Weigle als GMD und als Leiter der Frankfurter Museumskonzerte. Weigle hatte ebenfalls als Erster Kapellmeister an der Berliner Staatsoper begonnen und dort zuvor fünfzehn Jahre lang als Solohornist gespielt. Dirigentisch hat die Exzellenz der Oper Frankfurt der Förderung durch Barenboim also viel zu verdanken. Die Frage ist nur, wie lange eine so junge Exzellenz wie Thomas Guggeis sich wird halten lassen.

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