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Konzertbetrieb der Zukunft : Innovation vom Dorf

Der Konzertsaal in Blaibach: bescheiden, elegant, modern. Bild: mauritius images / Ernst Wrba

Thomas E. Bauer ist Sänger und Intendant der Konzerthalle Blaibach. Er will auf die Corona-Krise offensiv reagieren: mit vielen Veranstaltungen, die im Herbst zum ästhetischen Äquivalent der Wirtschaftskraft werden sollen.

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          Dass Deutschlands Kulturlandschaft die Wirtschaft füttert, dem Land Strahlkraft und der Gesellschaft Elastizität verleiht und somit systembildend ist, wird auch von der Politik heute so gesehen. Daher konnte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jüngst seine Bürger auf eine magere Zukunft einstimmen und zugleich die Nothilfe für die Kulturwirtschaft von neunzig auf zweihundert Millionen Euro erhöhen. Kultur sei auch ein Erbauungsprogramm gegen die boomenden Verschwörungstheorien, findet Söder, weshalb er insbesondere innovative Kulturkonzepte fördern will. Solche will der Sänger und Intendant des Konzerthauses Blaibach, Thomas E. Bauer, bieten, der in einem Dorf in der Oberpfalz einen hochklassigen Musikbetrieb aufgebaut hat.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Blaibach, dessen baulich wie akustisch exquisiter Konzertsaal weit über die Region ausstrahlt, musste Frühjahrsveranstaltungen absagen, will aber im Herbst seine Aktivitäten verstärkt wiederaufnehmen. Statt nur versäumte Termine nachzuholen, bereite man unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln eine intensivierte Saison vor, erklärt Bauer. Da von den zweihundert Zuschauerplätzen nur fünfzig bis maximal siebzig – im Fall von mehreren Familienmitgliedern, die zusammensitzen – besetzt werden könnten, würden Gäste wie der Pianist Arcadi Volodos, der Cellist Maximilian Hornung, das Eliot und das Hagen Quartett statt einem längeren zwei oder drei kürzere Konzerte geben. Es seien auch Matineen und Nachtkonzerte geplant. Auf der für sechzig Musiker konzipierten Bühne werden nun höchstens zehn Platz finden. Daher werde Johannes Brahms’ „Deutsches Requiem“ und Giacomo Rossinis „Kleine Messe“ von einem Kammerensemble aufgeführt, Beethovens Neunte erklingt in der Klaviertranskription von Franz Liszt, den Schlusschor bestreiten acht Sänger.

          Das 2014 fertiggestellte Konzerthaus, ein gekippter Schuhkarton aus Granit und Beton, den der Münchner Architekt Peter Haimerl tief in den Kirchplatz vorm Gemeindehaus eingegraben hat, besticht durch bodenständige Modernität und bescheidene Eleganz. Bauer ist stolz, dass sein Haus, das für seinen Energieverbrauch und die Reisewege der Künstler Emissionszertifikate erwirbt, klimaneutral ist. Die wichtigste Innovationsidee, für die er sich jetzt starkmacht, ist jedoch die, dass Musik als Kunst und nicht vordringlich als soziales Projekt im Mittelpunkt stehen soll. Grundsätzlich lasse er die Musiker die Themen selbst setzen, betont Bauer, der das Vertrauen des bayerischen Ministerpräsidenten genießt. Das sei auch wichtig für die unterstützungsbereite Politik. Ihr würden in der neuen Saison die Künstler mit Initiativen und Angeboten entgegenkommen.

          Die derzeitige Krise, die Musiker de facto mit einem Berufsverbot belege, biete auch eine Chance, eine verfehlte Kulturpolitik zu korrigieren, findet Bauer. Die erblickt der Sänger im Primat der Projektförderung, die freie Künstler dazu zwinge, sich gegenüber Gremien als Vorkämpfer für soziale Zwecke wie Gendergerechtigkeit, Inklusion oder Digitalisierung zu positionieren, um öffentliche Gelder bekommen zu können. Die Kunst gerate so ins Hintertreffen, findet Bauer. Gern begrüßt er in Blaibach den Popstar Max Mutzke oder die Pionierin einer neuen bayrisch-tschechischen Volksmusik, Monika Drasch mit ihrer Band. Doch die Geigerin Anne-Sophie Mutter mit Punk zu kombinieren oder Vivaldi vertanzen zu lassen, will er ganz entschieden nicht.

          Deswegen votiert er jetzt, da die Politik bereit sei, vielen freien Künstlern ins kommende Jahr zu helfen, für die Rekrutierung eines beschlagenen Kulturbeauftragten, zumal für die Regionen, wo die gewählten Vertreter der Hochkultur eher fernstünden. Denn wer meine, der Bayerische Wald mit seinen Hightech-Betrieben sei heute mit Heimatmuseen oder Amateursingen ausreichend bedient, der enthalte der Gesellschaft das ästhetische Äquivalent ihrer Wirtschaftskraft vor. Es komme nicht darauf an, um jeden Preis niedrigschwellig zu werden, immer neue Zielgruppen zu erreichen, betont Bauer, dessen Konzerthaus Besucher aus München, Wien, Köln, aber auch aus umliegenden Dörfern anzieht und stets ausverkauft ist.

          Auch müsse identitätsbildende Kultur nicht jeden zum Konzertgänger machen. Wichtig sei, dass diejenigen, die kommen, den Funkenschlag des Wesentlichen, des Werks erlebten – wie es auch die von ihm oft eingeladenen Förderschulkinder spürten, die sich, so Bauer, von schwieriger, durchaus hochschwelliger Streichquartettmusik begeistern ließen.

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