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Osterfestspiele Salzburg : Kalkuliertes Zerwürfnis

  • -Aktualisiert am

Der Dirigent Christian Thielemann im April 2019 bei einer Buchpräsentation während der Osterfestspiele Salzburg. Bild: dpa

Nikolaus Bachler will als künftiger Intendant der Osterfestspiele Salzburg dem Künstlerischen Leiter Christian Thielemann verbieten, „Lohengrin“ zu dirigieren. Ein abgekartetes Spiel, mit dem Salzburgs Politik versucht, Thielemann wegzuekeln.

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          Seit nunmehr neun Monaten werden bei den Salzburger Osterfestspielen Gefechte, bei denen es kaum um Kunst, sondern unter dem Protektorat der Politik nur noch um Macht geht, hinter den Kulissen ausgefochten. Es ist ein Zermürbungskrieg, geführt gegen den Dirigenten Christian Thielemann. Der Leiter der Dresdner Staatskapelle hat dem von Herbert von Karajan ins Leben gerufenen Festival, das von den Salzburger Festspielen im Sommer unabhängig ist, mit seinem Orchester seit 2013 Erfolg und künstlerische Kontinuität gesichert – zuletzt im April dieses Jahres mit einer vielgefeierten Aufführung der „Meistersinger von Nürnberg“.

          Umso größer war, euphemistisch formuliert, die Verwunderung gewesen, als Thielemann schon im Spätsommer 2018 hatte erfahren müssen, dass die Generalversammlung und der Aufsichtsrat der Osterfestspiele beschlossen hatten, den derzeitigen Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, vom Jahr 2022 an zum geschäftsführenden Intendanten mit der Vollmacht bei künstlerischen Entscheidungen zu bestellen. Von Thielemanns „definitiver Ablehnung“ Bachlers waren die Handlungsgehilfen dieser Entscheidung nicht informiert worden. Gleichwohl hatte der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer unter Berufung auf ein Telefonat mit dem Dirigenten am 8.Februar 2019 die Lüge vom Konsens verbreitet: „Es wird ein starkes Duo: Thielemann und Bachler.“

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