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Theaterfusion Mecklenburg : Sehnsucht ist hier keine Endstation

Auch die Gewerkschaften zeigten sich zunehmend reserviert gegenüber dem, was da geplant war: Das Orchester, das aus der Fusion der Philharmonie Neubrandenburg mit dem Philharmonischen Orchester des Theaters Vorpommern hervorgehen würde, soll insgesamt 107 Stellen umfassen. Damit wäre es eigentlich ein A-Orchester; doch eine solche Spitzeneinstufung ist der Landesregierung in Schwerin nicht zu vermitteln. Schon die Tarifgruppe B-Fußnote, nach der das Orchester des Theaters Vorpommern momentan bezahlt wird, würde schwer durchzusetzen sein; am Ende würde es dann auf die Tarifgruppe B hinauslaufen, vielleicht mit Sonderregelungen für die Erweiterung der Dienste aufgrund langer Fahrzeiten. Denn das „Staatstheater Nordost“ – so der Arbeitstitel, der an ein Energiekombinat erinnert – würde im Extremfall Entfernungen von bis zu hundertsechzig Kilometern zwischen Putbus und Neustrelitz zu überbrücken haben.

Keine Einsparungen durch Kooperation?

Löschner – der gegen geballtes Misstrauen aus Neubrandenburg und Neustrelitz ab August 2018 von Greifswald aus die Generalintendanz hätte führen sollen – glaubt, dass durch Kooperationen keine Einsparungen mehr zu erzielen seien. Angebot und Qualität zu stabilisieren und dennoch die Gesamtfläche weiterhin zu erreichen, das könne man aber durch eine Fusion – gerade so – noch einmal schaffen. Ein Kooperationsmodell liefe am Ende darauf hinaus, dass man an einigen Standorten ganze Sparten schließe und Produktionen importiere oder aber die Belegschaften zu noch mehr Gehaltsverzicht bewege.

Birgit Hesse zumindest wäre bereit, die Landeszuschüsse für die kommunalen Theater, die derzeit bei etwa 36 Millionen Euro stagnieren, zu erhöhen, wenn die Theater – bei gewahrter Selbständigkeit – durch Kooperationen und neue Haustarifverträge wirklich zu Einsparungen kämen. Diese Option ist neu, denn die Landesregierung hatte bislang ein Anwachsen der Zuschüsse an die Bedingung geknüpft, eine Staatstheater-GmbH mit dem Land als Mehrheitsgesellschafter zu gründen und die Unterbezahlung mittelfristig zu beenden. Darin lag durchaus Vernunft, doch die Vermittlung des Konzepts wurde von den Kommunen teilweise als „erpresserisch“ empfunden. Jetzt soll ab Januar alles wieder von vorn verhandelt werden.

Am Theater Vorpommern hat man durch diese ungeklärte Situation bereits den Dirigenten Golo Berg ans Theater Münster verloren, doch mutlos wird man deshalb nicht. EU-Fördermittel für ein Opernnetzwerk im südlichen Ostseeraum von Stralsund bis Klaipeda habe man zwar nicht erhalten, erzählt Löschner, aber ein anderes großes Vorhaben sei in Gang gekommen: die Theater-Hanse. Schon bei der ersten Einladung kamen im Oktober fünfundzwanzig Theaterleiter aus Norwegen, Schweden, Estland, Litauen und Polen nach Stralsund, um über zweierlei zu beraten: ein neues Festival, das als Biennale ein Theatertreffen des Ostseeraums werden soll; und über ein Netzwerk der Bühnen, das ökonomische und politische Absicherungen schaffen könnte gegen Beschränkungen künstlerischer Arbeit.

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Die Dramaturgische Gesellschaft wird ihre Jahrestagung 2018 in Greifswald abhalten und sich „Dramaturgien des Widerstands“ widmen in einer Zeit immer stärkerer politischer Einflussnahme, besonders in Osteuropa. Löschner ist froh, dass die Zusammenarbeit mit der „Oper auf dem Schloss“ in Stettin, der früheren Hauptstadt Pommerns, jetzt der polnischen Woiwodschaft Westpommern, so gut funktioniert. Da Stettin nicht im Aufmerksamkeitsfokus der nationalkonservativen Zentralregierung in Warschau liege und der Marschall der Woiwodschaft pro-europäisch gesinnt sei, könne man die Zusammenarbeit noch wenigstens zwei Jahre lang fortsetzen. „Stettin strahlt als Metropole immer mehr auch in den deutschen Osten aus. Es ist ja unsere nächstliegende Großstadt“, sagt Löschner.

Doch die Strukturprobleme der Theaterlandschaft in Deutsch-Nordost müssen von Schwerin, nicht von Stettin aus gelöst werden – mit allen Beteiligten, mit Stolz auch, aber vor allem mit Vernunft.

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