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Theaterausstellung in München : Die Fantasie muss auf die Bühne

  • -Aktualisiert am

Tendenz zur Werk-Untreue: Szene aus Peter Zadeks Bremer Inszenierung von Schillers „Räubern“ aus dem Jahr 1966 Bild: Gabriele Pagenstecher

Ein Reizbegriff wird zur Verständlichkeit gebracht: Das Deutsche Theatermuseum in München zeigt auf faszinierende Weise, wie es zum Regietheater kam.

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          Ein heißer Sommertag im Münchener Hofgarten. Bei „Schumanns“ sitzen die Angeber auf den wackligen Gartenstühlen und haben neben ihre Designer Sonnenbrillen auch die edlen Mundschutzmasken zur allgemeinen Betrachtung auf die Tische gelegt. Schräg gegenüber ist der Eingang zum Deutschen Theatermuseum. Zwei Touristen stecken den Kopf durch die Tür, suchen offensichtlich nach Abkühlung. Was denn hier gerade gezeigt werde, fragen sie auf Englisch. Eine Ausstellung zum „Regietheater“, erklärt die freundliche Empfangsdame, zum „German director’s theater“. Die beiden Besucher schauen verwundert. Warnend fügt die Dame an, dass alle Begleittexte „only in German“ wären. Es handelt sich bei diesem „Regietheater“ also um eine innerdeutsche Angelegenheit, so viel verstehen die beiden Besucher und ziehen schulterzuckend von dannen. Ganz exakt ist das nicht, denn zentrale Protagonisten der Geschichte des „Regietheaters“ wie Max Reinhardt oder Fritz Kortner kamen aus Österreich. Deshalb nennt Kuratorin Claudia Blank ihre Ausstellung zur Entwicklung und Profilierung des Phänomens Regietheater auch eine „deutsch-österreichische Geschichte“.

          Das zentrale und gleich im ersten Ausstellungsraum durch Porträtbanner und Werkbiographien offensiv zur Schau gestellte Ordnungsprinzip ist dabei die antagonistische Abfolge von Generationen großer Theatermänner. Sie macht deutlich, dass Innovation in der neueren deutschsprachigen Theatergeschichte im Grunde immer aus Konfrontation erwuchs, es aber auch eine feingliedrige Kette gibt, die unterschiedlichste Regiepersönlichkeiten über die Epochen miteinander verbindet. Den Ursprung des Reizbegriffs „Regietheater“ verortet die Ausstellung im Schaffenszeitraum zwischen Otto Brahm und Max Reinhardt. Reinhardt, der seit 1894 als Schauspieler bei Otto Brahm am Deutschen Theater in Berlin engagiert war und erst 1903 zum ersten Mal selbst inszenierte, verwandte später viel Mühe darauf, sich von seinem Lehrmeister und dem „Armeleutegeruch“ seiner Aufführungen zu distanzieren. Dabei prägte er das Klischeebild von Brahm als purem Naturalisten, der sich in der sozialkritischen Wiedergabe von Wirklichkeit erschöpfte.

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