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Theater schauen in die Zukunft : Es liegt was in der Luft

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So könnte sie aussehen, die Zukunft des Zuschauertheaters: Ein Desinfektionssprayer im Berliner Ensemble Bild: EPA

Ein Hoffnungsschimmer am Ende des Theatertunnels: In Frankfurt präsentieren sie die neue Spielzeitplanung, während das Berliner Ensemble experimentiert: mit Desinfektionsnebel für alle.

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          Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Die Bühnen des Landes präsentieren ihre zukünftigen Spielzeitprogramme und wetteifern dabei um größtmöglichen Optimismus. „Ja. Ja. Ja. Ja“, steht ausdrucksvoll auf dem blauen Kugelschreiber, den die Marketingabteilung des Frankfurter Schauspiels zu Beginn der diesjährigen Pressekonferenz austeilen lässt. Ja zum Theater. Ja zum Spiel. Ja zum Publikum. Ja zum Ende des Ausnahmezustands. Seit dem Abbruch der Spielzeit am 12. März ist jetzt das erste Mal wieder „hausfremdes Publikum“ zugelassen und nimmt auf den achtundachtzig streng voneinander separierten Sitzen des großen Zuschauerraums Platz.

          Anselm Weber, der gerade von der städtischen Kulturdezernentin bis zu seinem Rentenbeginn 2027 verlängerte Intendant des Hauses, ruft „Antisemitismus/Rassismus“ zum Schwerpunktthema der neuen Spielzeit aus. Verschiedene Experten haben dazu beraten und sind nach langen Verhandlungen auf so überraschende Podiumsgäste wie Robert Menasse oder Michel Friedman gekommen. Der Kampf gegen Antisemitismus gehöre forthin zur „DNA“ des Frankfurter Schauspiels, verkündet der Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde, Marc Grünbaum, stellvertretend für das Expertengremium und deutet so etwas wie eine späte Genugtuung darüber an, dass am Haus des legendären Fassbinder-Skandals nun gegen „Superspreader des Virus Antisemitismus“ vorgegangen werde. Virologische Metaphern liegen im Frankfurter Theatersaal in der Luft. Einer zweiten Welle der Pandemie werde man entschlossen mit einer zweiten „Premierenwelle“ entgegentreten, versichert die Dramaturgie. Geprobt werde gerade noch am „Corona-Shakespeare“ von David Bösch, der Mitte September aufgeführt werden könnte, aber wenn das aus Lockdown-Gründen nicht geht, dann ist eine zweite Spielzeiteröffnung Anfang Oktober geplant mit Bearbeitungen von Else Lasker-Schüler, Max Frisch und Klaus Mann. Noch während sie in Frankfurt das neue Programm unter anderem mit aussichtsreichen Inszenierungen von Mateja Koležnik, Herbert Fritsch und Alexander Eisenach präsentierten, kam aus Berlin eine Mutmacher-nachricht in ganz anderer Dimension.

          Angstraum oder Hoffnungsort

          Das Berliner Ensemble testet gerade eine Raumdesinfektion durch Aerosolvernebelung, die sowohl im Zuschauerraum und den Foyers als auch auf der Bühne zum Einsatz kommen soll. Bei dieser Art der Desinfektion werde das natürlich abbaubare und auch für Allergiker offensichtlich ungefährliche Desinfektionsmittel „Amoair“ über ein Verneblungsgerät oder ein vorhandenes Lüftungssystem in der Luft verteilt. Dabei setze sich das Desinfektionsmittel gleichmäßig an allen Oberflächen im Raum ab und erreiche auch schwer zugängliche Bereiche. Messungen an über fünfzig Stellen im Großen Haus zeigten, dass etwa 99 Prozent der im Raum befindlichen Bakterien und Viren durch den Nebel entfernt werden konnten. Wenn diese Technik wirklich erfolgreich ist, scheint die Zukunft des Zuschauertheaters gesichert. Dann wäre das deutsche Theater wirklich einmal am Puls der Zeit. Und zwar als therapeutische Kraft, um ihn zu beruhigen. Im Moment gilt das Theater der strukturgewandelten Öffentlichkeit noch als Angstraum. Aber mit Amoair und Anti-Antisemitismus, könnte es bald wieder zum Hoffnungsort werden.

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