https://www.faz.net/-gqz-14fd6

Sven-Eric Bechtolf : Der König und ich

  • Aktualisiert am

In Hamburg wird er gerade als Solist gefeiert, ab Herbst 2011 wird der 51-jährige Schauspieler und Regisseur als Schauspieldirektor in Salzburg amtieren: Sven-Eric Bechtolf über Demokratie in der Kunst, Pullunder bei Schiller und seinen Richard II.

          In Hamburg wird er gerade als Solist gefeiert (siehe auch: Sven-Eric Bechtolf spielt „Richard II.“ in Hamburg), ab Herbst 2011 wird der 51-jährige Schauspieler und Regisseur auch als Schauspieldirektor in Salzburg amtieren: Sven-Eric Bechtolf über Demokratie in der Kunst, Pullunder bei Schiller und seinen Richard II.

          Als bekannt wurde, dass Alexander Pereira und Sie das neue Gespann für die Salzburger Festspiele sein werden, hieß es: Das ist der Sieg der Restauration, die Auferstehung der Festspiele im Geiste Karajans. Hat Sie das wütend gemacht?

          Erstens gibt es wahrlich Schlimmeres, als mit Karajan in Verbindung gebracht zu werden. Zweitens war das ein so durchsichtiges Gerede, dass es mich nicht geärgert hat, und drittens sind diese Art Reaktionen doch sehr aufschlussreich: Wenn ein selbstversorgendes System unter dem Titel „restaurativ“ und „konservativ“ alles ausschließen will, was einfach nur anders ist, dann scheint doch einiges nicht zu stimmen. Ich bin seit 31 Jahren am Theater und habe nicht so ganz schlechte Arbeit geleistet: Da muss mir keiner mehr sagen, was ich bin.

          In zwei Jahren wird er Schauspieldirektor in Salzburg: Sven-Eric Bechtolf

          Was würden Sie denn sagen, was Sie sind?

          Konservativ jedenfalls nicht, weder künstlerisch noch politisch.

          Was sind Sie dann?

          Neugierig und skeptisch, ich fürchte mich vor jeglichen Glaubenssätzen. Also: ein neugieriger Skeptiker. Wahrscheinlich ein rettungsloser Widerspruch.

          Zu dem, was Sie skeptisch sehen, gehört aber das zeitgenössische Theater, oder?

          Es gibt ein paar grundsätzliche Entwicklungen, die mich, neben der Neugierde, skeptisch machen. Etwa, dass man sich heute fast schämen muss, wenn man an die Autonomie von Autoren glaubt. Texte sind Material. Der Materialbegriff hat sich durchgesetzt.

          Die Verteidiger des Materialbegriffs sagen, das läge an den Stücken selber, die heute keinerlei Auskunft darüber gäben, wie man sie spielen soll.

          Was, brauchen die Gebrauchsanweisungen? Ich werde jedenfalls als Schauspieldirektor in Salzburg jedes Jahr einen Stückauftrag geben, unter anderem weil es mir ein Vergnügen sein wird zu sehen, wie die Autoren mit den Regisseuren um ihre Autonomie streiten.

          Warum haben Sie eigentlich nie komplett das Fach gewechselt, sind immer Schauspieler geblieben und haben zudem zuletzt vor allem Opern inszeniert?

          Weil es zwei ganz unterschiedliche Sachen sind: Schauspielerei ist ein Auslieferungsberuf, der unter anderem Vertrauen braucht. Deshalb bin ich ja auch ein großer Verteidiger des Ensembletheaters. Als Regisseur arbeitet man völlig anders, namentlich in der Oper. Da kann man sich alles vorher ausdenken und minutiös umsetzen. Da geht es ganz stark um handwerkliche Fähigkeiten. Und die Musik gibt schon einmal viel vor. Im Schauspiel dagegen müssen wir gemeinsam die Musik erst erfinden. Wir müssen uns das Stück jedes Mal neu erzählen, der Begriff „Werktreue“ existiert ja nicht.

          Plädierten Sie eben nicht noch für das Werk und die Autonomie des Autors?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.