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Streit um Night of the Proms : „Rule Britannia“ darf bleiben

  • -Aktualisiert am

Das Konzert zur Last Night of the Proms beendet alljährlich die Konzertreihe der Proms in der Royal Albert Hall, London (Archivbild). Bild: AP

Zähneknirschend am Ritual festhalten: Der neue Generaldirektor der BBC, Tim Davie, hat entschieden, dass in der Last Night of the Proms patriotische Lieder gesungen werden sollen.

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          Es ist ein Zeichen der Beunruhigung in der Führung der BBC, dass gleich am zweiten Amtstag des neuen Generaldirektors Tim Davie der Beschluss fiel, im Finale der Last Night of the Proms in der Royal Albert Hall nun doch die patriotischen Lieder singen zu lassen. Die Entscheidung des öffentlich-rechtlichen Senders, „Rule Britannia“ und „Land of Hope and Glory“ diesmal nur in einer Orchesterfassung darzubieten, hatte vor allem in den konservativen Medien einen Sturm der Entrüstung entfesselt und den Ruf nach dem Ende der Rundfunkgebühr verstärkt. Davie, der am Donnerstag in seiner ersten Grundsatzrede einige der am häufigsten vorgebrachten Einwände gegen die BBC ansprach, insbesondere die Verletzung des Gebots der Unparteilichkeit, soll schon vor seinem Amtsantritt interveniert haben, um zu verhindern, dass die Gassenhauer ganz aus dem Programm entfernt wurden.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Alles deutet darauf hin, dass Davie ein feineres Sensorium für den aufgestauten öffentlichen Unmut besitzt als sein von der Covent-Garden-Oper gewechselter Vorgänger Tony Hall. Dieser hat, wie es in den britischen Institutionen häufig vorkommt, den einen Führungsposten wieder gegen den nächsten ausgetauscht und steht jetzt dem Kuratorium der National Gallery vor. Die BBC hatte ihre Entscheidung, die Lieder ohne Gesang darzubieten, mit den coronabedingten Einschränkungen begründet, die gemeinschaftliches Singen verhinderten. Bald verbreiteten sich jedoch Gerüchte, die finnische Dirigentin Dalia Stasevska habe die Lieder wegen ihrer Bezüge zum Kolonialismus verbannen wollen. Stasevska hat diese Berichte aufs heftigste bestritten, und die BBC hat bestätigt, dass sie nicht an der Entscheidung beteiligt gewesen sei.

          Kritiker sahen sich durch den Streit in dem Verdacht bestärkt, die BBC wolle die Epidemie als Vorwand nutzen, sich des ungeliebten Rituals zu entledigen. Während traditionell gesinnte Briten die fahnenschwenkende Gaudi der Last Night of the Proms als eine der wenigen Anlässe sehen, in denen große Teile der Nation noch zusammenfinden, rümpfen Kritiker die Nase. Ihnen ist nicht nur der patriotische Überschwang unbehaglich, die populäre Musik entspricht zudem nicht ihren geistigen Ansprüchen. In den sechziger Jahren hatte der avantgardistische Proms-Direktor William Glock schon versucht, Elgars „Land of Hope and Glory“ wegzulassen, musste sich dann jedoch Protesten beugen. Einige seiner Nachfolger haben kein Hehl daraus gemacht, dass sie nur zähneknirschend am Ritual festhielten.

          In diesem Jahr folgte die Debatte vor dem Hintergrund der Black-Lives-Matter-Bewegung dem Frontverlauf im Kulturkrieg um das koloniale Vermächtnis. Während die konservative Presse nach dem Rückzieher der BBC jubelt, dass „Rule Britannia“ die Ätherwellen wieder beherrschen werde, bedauert eine prominente Stimme des linksliberalen „Guardian“ die verpasste Gelegenheit, „dieses jährliche suprematistische Schwelgen ein für alle Mal zu beenden“.

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