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Stephen Malkmus in Köln : Die Gehirne galoppieren los

  • -Aktualisiert am

Von Rosemarie Trockel beflügelt: Stephen Malkmus in Köln Bild: Schoepal, Edgar

Die Darbietung des Amerikaners Stephen Malkmus geht weit über Indie-Rocks-Standards hinaus. Wer je bei einem seiner Auftritte dabei war, wird noch in fünfzig Jahren seinen Enkeln davon erzählen.

          Solange Stephen Malkmus noch in scheinbar ewiger Jugendlichkeit über die Bühne hüpft, seine abgeschrappte Gitarre mal auf dem Boden, mal hinterm Kopf spielt und beim Herumspringen auf einem Bein beinahe seinen Verstärkerturm umwirft, braucht sich niemand die Mühe zu machen, die Wasserpfeife beiseitezustellen, um ein slacker-revival übers Knie zu brechen. Stephan Malkmus scheint sich im Alleingang um die Sache kümmern zu wollen.

          Und das Beste: Sein kokett-schlunziger Stil wirkt heute noch genau so erfrischend wie in den glorreichen Tagen seiner Band Pavement, die dafür sorgte, dass man die popmusikalischen neunziger Jahre nicht als deprimierende Comedy-Veranstaltung erinnern muss. Man könnte den Kölner Auftritt des Amerikaners mit ein bisschen Pathos als eine Art Heimkehr betrachten: Stephen Malkmus, seit einigen Jahren in Berlin ansässig, stellt im Gebäude 9 mit seiner Begleitband The Jicks das jüngste gemeinsame Album „Wig Out At Jagbags“ vor.

          Ziemlich unverwechselbar

          Im Beipackzettel der Platte verkündete Malkmus, das Werk sei „inspired by Cologne, Germany, Mark von Schlegell, Rosemarie Trockel, Von Spar and Jan Lankisch“. Köln und Rosemarie Trockel – na gut. Aber Von Spar und Jan Lankisch? Was sich für den durchschnittlichen englischsprachigen Leser womöglich etwas verrätselt liest, ist aus Kölner Sicht leicht erklärt: Bei Jan Lankisch handelt es sich um einen hingebungsvollen hiesigen Konzertveranstalter, der Stephan Malkmus im Jahr 2012 überredete, mit der Kölner Band Von Spar das Album „Ege Bamyasi“ der Kölner Krautrock-Götter Can in Gänze live aufzuführen.

          Wer an jenem Abend dabei war, wird noch in fünfzig Jahren seinen Enkeln davon erzählen. Zu hören ist von besagten Einflüssen freilich nicht allzu viel: Malkmus und die Jicks klingen weiterhin wie Malkmus und die Jicks, also ziemlich unverwechselbar. Man stelle sich vor, Frank Zappa spielte Neunziger-Jahre-Gitarrenrock oder Captain Beefheart wäre bei den Soft Boys eingestiegen um kindlichen Prog-Rock darzubieten – so in etwa tönt es bisweilen, was Malkmus und Band an diesem Abend veranstalten.

          Ironie und Leidenschaft gehen tanzen

          Ständige Rhythmuswechsel, frickelige Betonungen und enthemmte Freakouts heben das, was die vier spielfreudigen Musiker hier aufführen, weit über Indie-Rocks-Standards hinaus.

          Und nur Malkmus schreibt so wie verdrehte Stücke: „Houston Hades“ vom neuen Album ist feinster Hängeschulter-Pop, „Brain Gallop“ klingt, wie es heißt, und das euphorisierende „Stick Figures In Love“ ist fahriger 66er-Dylan im T-Shirt. Malkmus, der auch mit siebenundvierzig Jahren noch aussieht, als hätte er heute den Großteil seiner Vorlesungen verschlafen, geht dabei ganz in der Rolle des gebrochenen guitar hero auf.

          Man müsste wohl endlos lange überlegen, bis einem ein anderer lebender Gitarrist einfiele, der durch ständiges Herumgniedeln auf seinem Instrument so viel windschiefe Schönheit entstehen ließe.  Dass er sein Instrument teilweise unter vorsätzlich erschwerten Bedingungen bearbeitet – Malkmus hält die Gitarre immer wieder einfach nur in der Hand, statt sie mit umgelegtem Gitarrengurt zu spielen –, kann man albern finden.

          Es ist aber bezeichnend für die Haltung, mit der hier Musik gemacht wird: Ironie und Leidenschaft schließen sich bei Stephen Malkmus nie aus. Im Gegenteil. Sie haken sich beieinander unter und gehen tanzen. Nur wer den Witz sucht, hat verloren.

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