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Stargeigerin Julia Fischer : Ich muss nicht sterben, um das zu spielen

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Mit neunzehn in der Carnegie Hall: Julia Fischer Bild: Kasskara

Unter den jungen Geigerinnen, die heute in den Konzertsälen brillieren, ist sie die glamouröseste: Julia Fischer im Gespräch mit André Müller über Kunst als Religion, Tokio Hotel und ein Angebot des „Playboys“.

          Mit vier Jahren bekam sie die erste Geige, mit dreizehn begann sie, öffentlich aufzutreten. Mit neunzehn debütierte sie in der New Yorker Carnegie Hall. Von da an war sie ein Star. Julia Fischer, Jahrgang 1983, ist unter den jungen Geigerinnen, die heute in den Konzertsälen brillieren, die glamouröseste, auch wenn sie das nicht gerne hört.

          2006, knapp dreiundzwanzigjährig, wurde sie als Professorin an die Frankfurter Musikhochschule berufen, voriges Jahr mit dem britischen Gramophone Award als „Artist of the Year“ ausgezeichnet. Ihre Preise sind nicht mehr zu zählen. Doch der Münchnerin, Tochter einer slowakischen Pianistin und eines Mathematikers, ist so viel Ruhm, sagt sie, lästig. Denn die Musik ist für sie ein Hochamt, das sie bei aller Leichtigkeit, die sie ausstrahlt, tiefernst zelebriert.

          Den Interviewer empfängt sie mit professioneller Gelassenheit. Die Mutter zieht sich ins Untergeschoss zurück und lauscht. Als von der Schönheit ihrer Tochter die Rede ist, taucht sie wie ein Geist aus der Tiefe auf und fragt entzückt: „Finden Sie Julia schön?“

          „Wenn ich in schlechter Stimmung bin, rettet mich die Musik”

          Aber natürlich! Man sollte, damit die Erscheinung nicht vom Kunstgenuss ablenkt, die Augen schließen, wenn sie auf der Bühne steht oder . . . sitzt. Denn nun spielt sie auch noch Klavier! Beim Neujahrskonzert in der Frankfurter Alten Oper triumphierte sie an einem Abend mit dem dritten Violinkonzert von Saint-Saëns vor der Pause und danach mit dem Klavierkonzert von Edvard Grieg. Das gab es noch nie.

          Für die hoch versicherten Hände einer Violinistin kann der harte Anschlag auf dem Piano verheerend enden. Julia Fischer aber bestand die Probe. „Ja, das war schon riskant“, sagt sie und fügt gleich hinzu: „Ich werde es wieder tun.“ Für 2009 ist das nächste Konzert, in dem sie als Geigerin und Pianistin auftritt, schon eingeplant.

          Sie sind jung, schön, vermutlich reich und . . . ich zitiere, was in den Zeitungen über Sie steht . . . „ein Geigenwunder“, „eine Jahrhundertgeigerin“.

          Ja, und?

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          Also was über mich in den Zeitungen steht, hat mich nie so wahnsinnig interessiert. Das wahre Selbstbewusstsein liegt für mich darin, dass ich weiß, was ich nicht kann, nicht, was ich kann.

          Was können Sie denn nicht?

          Das bleibt mein Geheimnis.

          Sie wollen die Beste sein.

          Nein.

          Aber das will doch jeder. Dieses Ziel muss man doch haben.

          Dieses Ziel hat man vielleicht im Sport. In der Kunst ist es das falsche Ziel. Kunst ist nicht Sport. Eine Konkurrenz gibt es nicht in der Kunst.

          Das stimmt nicht. Es gibt zum Beispiel den Kampf um höhere Gagen bei Opernsängern.

          Also bei mir gibt es das nicht. Meine Gage interessiert mich nicht. Das machen die Agenten. Es kommt vor, dass mir ein Konzertveranstalter sagt: Was deine Agentin verlangt, übersteigt mein Budget. Aber wenn ich das Konzert unbedingt spielen will, dann spiele ich auch umsonst.

          Der Geigenvirtuose Fritz Kreisler bezeichnete die Liebe zur Musik als ein Laster. Zitat: „Geigen- oder Roulettespielen, Komponieren oder Opiumrauchen sind Neigungen, die ihren Lohn in sich selbst tragen. So sind die Musiker die einzigen menschlichen Wesen, deren Laster geachtet, geehrt, ja sogar bezahlt wird . . .“

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