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Theaterserie: „Der Dibbuk“ : Mit Inbrunst hin zur Vereinigung

  • -Aktualisiert am

Ein vergessener Klassiker der jüdischen Literatur: Historisches Szenenbild aus der dramatischen Legende „Der Dybbuk“ von Salomon Anski Bild: Picture-Alliance

Salomon Anskys revolutionäres Theaterstück „Der Dibbuk“ hat das jiddische Theater für immer verändert. Genau jetzt sollten wir das Stück wieder auf die Bühne bringen.

          Ich habe den „Dibbuk“ erst in Berlin entdeckt, in meinem untergemieteten Wohnzimmer in der Sonnenallee. Ich war Hals über Kopf aus New York hierhergezogen, kannte kaum jemanden in der Stadt und fand mich mit der Herausforderung konfrontiert, Freundschaften schließen zu wollen, ohne abends rausgehen zu können, da ich für meinen damals achtjährigen Sohn keine Kinderbetreuung hatte. Ich ahnte, dass die Lösung darin liegen würde, die Stadt stattdessen zu mir zu bringen. Also öffnete ich meine Türe zwei-, dreimal in der Woche fast fremden Menschen, Freunden von Freunden von Freunden, fernen Bekanntschaften, Leuten, denen ich tagsüber flüchtig in Cafés und Läden begegnet war.

          Gerade weil ich fremd in der Stadt war und vielleicht auch, weil ich immer eine selbstgekochte Mahlzeit anbot, brachten mir diese Menschen – oft Studierende oder Künstler – immer etwas aus Höflichkeit mit, kleine Talismane einer vorläufigen Freundschaft: selbstgebrannte CDs, Bücher, Bilder aus dem Antiquariat, Bio-Weine und Kräutersträuße. Einmal hatte eine Studentin einen Film aus der Bibliothek geliehen, und wir projizierten ihn auf meine Tapete. In den folgenden drei Stunden löste ich mich in diesem Film auf. „Der Dibbuk“ hieß er, ein schwarzweißes Relikt aus dem Jahr 1937, und obwohl er nur noch als letzte Aufnahme einer verlorenen Zeit gelten sollte, erzählte er von einer Welt, die mir alles andere als unbekannt war.

          Berichte über echte „Dibbukim“

          In dem Film ging es um die Chassidim, jene Gruppierung, die im achtzehnten Jahrhundert in Reaktion auf die Starre der Orthodoxie erfunden wurde, gewissermaßen das jüdische Equivalent zur Reform Luthers – und da ich selbst chassidisch aufgewachsen war, kannte ich das Wort Dibbuk gut. Es war eine regelrechte Erziehungsformel in meiner Kindheit gewesen. Gelegentlich gab es sogar Berichte über echte „Dibbukim“, wobei ich nie persönlich einem begegnet bin. In früheren Jahrhunderten nannte man den Dibbuk noch Ruach Rah – „böser Geist“. Später änderte man den Namen in Ruach Hamedabek (Dibbuk ist davon eine Verkürzung), was nur bedeutet: „Geist, der sich anheftet“. In dieser oberflächlichen Änderung kann man auch eine tiefgründige erkennen – irgendwann wurden die Geister nicht mehr in gut und böse unterteilt, sondern als ein unabwendbares Phänomen im menschlichen Leben wahrgenommen. Manche Geister heften sich an, und manche sind noch auf der Suche nach einem Träger, an den sie sich haften können.

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