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Theaterserie: Friedrich Hebbel : Ein Volk von Irren feiert ein Fest

  • -Aktualisiert am

Die Tragödie fest im Auge: Der Dramatiker Friedrich Hebbel um 1860 Bild: Picture-Alliance

Hier tanzt die Witwe, als wäre sie Braut: Friedrich Hebbels rasantes Trauerspiel „Herodes und Mariamne“ ist eines der besten Stücke des Dramatikers. Warum wird es nie gespielt?

          3 Min.

          Niemand kennt dieses Drama, nie war es in den letzten sechzig Jahren auf einer großen Bühne zu sehen, und wer den Text lesen will, muss die Ausgabe „on demand“ erwerben: Sie wird für den einsamen Käufer gedruckt. Erstaunlicherweise gibt es eine textgetreue, aber ziemlich krude deutsche Verfilmung des Regisseurs Wilhelm Semmelroth aus dem Jahre 1965. Hebbel selbst hielt „Herodes und Mariamne“ für sein bestes Drama. Vor mehr als dreißig Jahren wollte der große Intendant und Regisseur Hans Lietzau das Stück unbedingt inszenieren, aber dazu ist es nicht gekommen.

          Zu den Entstehungsdaten: Der 1813 in Schleswig-Holstein geborene Friedrich Hebbel wird nach Jahren der Wanderschaft 1846 sesshaft in Wien. Im Gepäck hat er das 1844 vollendete Trauerspiel „Maria Magdalena“, das zwei Jahre später seine triumphale Uraufführung am Burgtheater erlebt. Die Wiener Jahre – der 50-Jährige stirbt dort 1863 – bringen ihm endlich finanzielle Sicherheit. Es entstehen die wenigen Stücke, die auch heute noch von Zeit zu Zeit den Weg auf die Bühne finden: „Agnes Bernauer“, „Gyges und sein Ring“, die „Nibelungen“. Sein Trauerspiel „Herodes und Mariamne“ wird bereits 1850 am Burgtheater uraufgeführt.

          Drama zweier Liebender

          Der Inhalt dieses so wunderbaren wie grausamen Stückes ist schnell umrissen: Herodes liebt Mariamne so sehr, dass er seinem Statthalter befiehlt, sie zu töten, falls er im Krieg fällt. Aber Mariamne kann ihre Liebe nur leben, wenn Herodes sie selbst entscheiden lässt, nach dessen Tod aus dem Leben zu scheiden. Zum Dolch greifen „kann man tun, erleiden kann man’s nicht“, versucht sie ihrem Ehemann vergeblich einsichtig zu machen. „Herodes und Mariamne“ ist das Drama zweier Liebender, die nicht anders können, als ihre verhängnisvollen Entscheidungen zu leben – und deshalb zu sterben. „Charakter als Schicksal“, das ist Hebbels großes Thema in diesem Drama.

          Atemberaubend ist die Exposition des fünfaktigen Dramas: Herodes hat Mariamnes Bruder Aristobolus töten lassen, weil er ihn verdächtigt, seinen Thron besteigen zu wollen. Trotz dieses schrecklichen Mordes liebt Mariamne den Mörder ihres Bruders. In dem ersten hochdramatischen Auftritt des Ehepaares fordert sie – vergebens – von ihm den Glauben an ihre Bereitschaft, sich zu töten, wenn er fällt. Vor seinem bevorstehenden Aufbruch in den römischen Krieg ernennt er Joseph, den Ehemann von Mariamnes Schwester Salome, zu seinem Vizekönig unter einer verhängnisvollen Bedingung: dass er im Falle seines Todes Mariamne ersticht, verbunden mit dem Auftrag, seine Weisung keinesfalls Mariamne zu offenbaren.

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