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Soul-Legende Solomon Burke : Ich schüttelte Präsidenten- und Papsthände

  • -Aktualisiert am

Der König des Soul in Nadelstreifen: Solomon Burke liebt die Selbstinszenierung Bild: Robert Piffer

Solomon Burke, der amerikanische „King of Soul“, kommt zum Straubinger Jazzfestival, besteigt seinen Thron und hält einen königlichen Soulgottesdienst ab. Und tatsächlich hat er noch genug Seele, um ganz Straubing auf ein höheres Bewusstseinsniveau zu heben.

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          „God bless you“: Der Mann mit der Buddha-Figur hat es offensichtlich kaum eilig, die Soulparty in Schwung zu bringen. Vielmehr lässt er erst einmal seinen seelsorgerlichen Blick durch das Bierzelt des Festivals „Jazz an der Donau“ in Straubing schweifen und bedankt sich, sonor brummend, beim Publikum. Und er schmeichelt den überwiegend schon etwas ergrauteren Fans, als er davon schwärmt, „wie gut es sei, all diese jungen Leute vor sich zu sehen“. Es würde kein normales Soulkonzert werden.

          Zuerst trugen Bühnenarbeiter einen gewaltigen Gold-Thron herein. Dann plazierten sie links und rechts Tontröge mit einem Großhandelsgebinde aus Rosen. Zuletzt, der Kapellmeister ließ schon die Instrumente stimmen, robbte noch ein Roadie hastig über die Bühne, um einen roten Teppich auszurollen - Showtime für seine Majestät, den „King of Soul“, Solomon Burke. In einem Rollstuhl und im Dunklen ließ sich der schwergewichtige Sänger hereinschieben, von vier hübschen jungen Damen abschirmen und das Licht erst einschalten, als er auf seinen Thron saß; dies nicht nur, weil die schöne Bühnenillusion durch den Anblick eines gebrechlichen Mannes, der kaum noch aus eigener Kraft stehen kann, hätte leiden können, sondern auch, weil Burke seit je eine kindliche Freude an der Selbstinszenierung hat.

          Das Szepter in der Hand

          Schon in den sechziger Jahren bestieg der Soulsänger die Bühne am liebsten mit einem Replikat der englischen Königskrone, ein Szepter in der Hand, die Hermelinschleppe von einem darunter verborgenen Liliputaner getragen. Auf diese Zutaten hat er diesmal zwar verzichtet. Dafür aber bringt Burke ein Orchester der Soul-Superlative mit: Neben einer Bläsersektion flankieren ihn auch noch vier langbeinige Damen in Goldpaillettenkleidchen als Violinistinnen und Background-Chor. „I shook the hand of the president and the pope in Rome“, hebt Burke zu „Diamond In Your Mind“ an. Im Hintergrund wimmert eine Hammondorgel, und die zwölfköpfige Band schmiegt sich wie eine seidene Decke um den klaren Bariton des Zweiundsiebzigjährigen.

          Links wo das Herz ist: Solomon Burke lässt sich betören

          Diese Stimme füllt das ganze Zelt, eine inbrünstige Empathie, die alles verstehen, verzeihen, versöhnen kann. Und die Rührung in den Augen des Sängers scheint echt. Der Song handelt von einem Mann, der für den Papst singt und Staatsoberhäupter trifft und doch alle weltlichen Niederungen kennt, bankrottgeht, um den Zusammenhalt seiner großen Familie kämpft und wohl jedes Tal der Depression durchschritten hat - Solomon Burkes Leben als Soulnummer. Tom Waits hat sie ihm auf den Leib geschrieben. Und Burke, für den auch Bob Dylan, Eric Clapton und Van Morrison schon zur Feder gegriffen haben, wickelt sie, wie er selbst sagt, für sein Publikum nur noch in Samt ein. Das trifft zweifellos auf Burkes erstaunlich volle, warm vibrierende Stimme zu, seine Phrasierung, die nur inneren Gesetzmäßigkeiten folgt und von seinem langjährigen Kirchenorganisten Rudy Copeland mit kongenialen Riffs erfühlt wird.

          Dramaturgie der Seele

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