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Stimmwunder Samuel Mariño : Das konnte seit langem keiner mehr

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„Wenn ich nach klanglicher Inspiration suche, bleibe ich bei Frauenstimmen“ – sagt der Männersopran Samuel Mariño. Bild: Olivier Allard

Der Venezolaner Samuel Mariño singt echte Sopranpartien in Barockopern, ohne das Falsett zu nutzen. Dank dieser seltenen Begabung ergibt sich eine ganz eigene Klangschönheit.

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          Eigentlich wollte er Balletttänzer werden, doch nun wirft der sechsundzwanzigjährige Sopranist Samuel Mariño in seinem kürzlich veröffentlichten Debütalbum „Care pupille“ mühelos mit hohen C um sich. Seine Mutter entdeckte die Begabung und überzeugte ihn, Gesang in seiner Heimatstadt Caracas zu studieren. Der Sprung nach Europa gelang Mariño durch eine glückliche Vermittlung: Eine in Paris lehrende Musikwissenschaftlerin besuchte ihre Mutter in Caracas. Ein Freund der Familie machte sie auf einen jungen Mann aufmerksam, den sie sich unbedingt anhören sollte. Die Arie der Cleopatra „Da tempeste“ aus Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare“, mit der Mariño zwei Jahre später auch den Publikumspreis des internationalen Gesangswettbewerbs „Neue Stimmen“ in Gütersloh erringen sollte, machte offenbar gewaltigen Eindruck. „Sie sagte nur: Pack deine Sachen! In einem Monat machst du die Aufnahmeprüfung in Paris, und in drei Monaten verlässt du Venezuela, denn dann beginnt das Studium.“

          Zurück in Caracas, die Zulassungsbescheinigung für das Konservatorium in der Tasche, stand Mariño jedoch vor einem Problem: „Ich wusste nicht, wie ich noch mal ein Flugticket nach Paris bezahlen sollte. Meine Familie unterstützte mich, wo sie nur konnte, aber es war einfach zu viel Geld, und ich musste mir etwas überlegen. Ich habe dann angefangen, selbstgebackenen Zitronenkuchen zu verkaufen. Glücklicherweise wurde das zu einem Selbstläufer. In den ersten zwei Tagen verkaufte ich fünf Kuchen, nach einer Woche waren es vierzig Stück pro Tag. So hatte ich innerhalb kürzester Zeit das Geld zusammen – und habe nebenbei gelernt, was es bedeutet, für meinen Traum zu arbeiten.“

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